Das autistische Kind 

Von Autism and Mom 

Mein wundervoller Sohn mit Asperger Autismus.🌈❤️💛💚💙💜

Es gibt Tage, da wirkt er auf andere Menschen ganz „normal“ und unauffällig. 

Er sieht ganz normal aus (zur großen Verwunderung vieler Menschen die keine Ahnung von Autismus haben) 🙄🙄 und er kann ausgezeichnet sprechen.

Es gibt aber auch Tage, da fällt er sehr auf. Meistens unangenehm. Er wirkt auf andere komisch und seltsam.
Man könnte meinen, er kann seinen Autismus steuern.

Deswegen denken viele, er könnte sich doch einfach mal zusammen reißen, wenn es mal nicht so klappt wie an manch guten Tagen.

Das ist aber falsch. 

Er kann das nicht steuern!!!

Er kann Verhaltensregeln dieser Gesellschaft lernen. 

Er kann sozusagen handeln, wie es von ihm verlangt wird.

Auch wenn solch ein Verhalten für ihn oft nicht logisch erscheint. Aber genau das ist ihm doch so wichtig! Die Logik!

Natürlich muss er vieles lernen, um besser in dieser für ihn  schnellen, hektischen, lauten und merkwürdigen Welt von uns klarzukommen.

Das kann aber einer Mutter sehr weh tun.

Denn in Momenten, die uns oft stolz machen, weil wir sehen, dass sich unser Kind gerade benimmt wie alle anderen, wird uns schmerzlich bewusst, dass das eigentlich nicht er ist.

Es ist kein spontanes, sondern angelerntes Verhalten.

Trotzdem kommen wir nicht drum herum.

Unserer Kinder müssen irgendwann auf eigenen Füßen stehen!

Und das funktioniert nun mal besser, wenn man lernt sich anzupassen. 
Asperger Autismus gilt als leichte, oder abgeschwächte Form der Autismus Spektrum Störung. 

Die Kinder können viel Teil unserer Welt sein und ermöglichen uns einen Einblick in die ihre.

Das ist toll. 

Ich bin dankbar dafür. 
Trotzdem werde ich nicht hinter der Aussage stehen, dass das Leben einfacher und unkomplizierter ist, als mit einem frühkindlichen Autisten. 

Jede Art von Autismus ist einzigartig und eine Herausforderung.

Eine wichtige Regel dabei ist,

lass dich darauf ein und öffne deine Augen und vorallem dein Herz! 
Und was viele endlich verstehen müssen:
📌Mein Kind ist nicht unhöflich,

sondern ehrlich!

📌Er ist nicht schlecht erzogen,

er passt sich nur nicht bedingungslos an.

📌Er ist nicht neugierig,

er ist interessiert.

📌Er ist nicht schüchtern,

er hat nur kein Interesse an Smalltalk.

📌Er ist kein Besserwisser,

aber besteht auf absolute Genauigkeit.

📌Er ist nicht launisch,

er unterdrückt nur seine Gefühle nicht.

📌Er ist keine Heulsuse,

er ist hochsensibel.

📌Er ist nicht nur am nörgeln,

er ist ein Perfektionist.

📌Er verhält sich nicht unangemessen, er versucht mit ganzer Kraft sich anzupassen!
Er ist in einem ständigen Kampf mit Reizen und für ihn unverständlichen Dingen.
Wenn er mal etwas nicht so gut kann, oder etwas auffällig ist, dann erwarte ich uneingeschränktes Verständnis für meinen Sohn!!!! 

Denn nichts anderes bringt er euch täglich entgegen!!!!!

Facebook-Anstupsen ist Frieden 

Von Christoph Kappes 

Die Reinheit des Anstupsens
Was bedeutet es, jemanden anzustupsen, diese frühe und vielleicht etwas kindliche Facebook-Funktion? Facebook schweigt dazu. Auch über eine Kultur des Anstupsens wurde bisher nicht berichtet. Dennoch weiss niemand, ob das Anstupsen nicht insgeheim blüht.
Ist Anstupsen Zustimmung, Widerspruch? Sicher nicht. Da das Anstupsen völlig ohne Bedeutung zu sein scheint, muss man es herausfinden. Wer anstupst, will sich bemerkbar machen. Das Anstupsen ist ein mehrschrittiger Kommunikationsvorgang: A macht eine Selektion, der B eine zweite Selektion folgen lassen kann: Dem Anstupsen folgt das Angestupstwerden, dem Sichbemerkbarmachen das Bemerken. Erfolgreiches Anstupsen bewirkt die Verbindung zwischen A und B, die Kante zwischen Knoten. Erfolgreiches Anstupsen ist reine Beziehung.
Der Fehler der Menschen ist, sich auf Social Media immer ausdrücken zu wollen. Man will etwas zeigen, seine Meinung sagen, überzeugen. Aber muss das wirklich sein? Heisst Zivilisiertheit nicht auch, anderen das eigene Ego nicht ins Gesicht pressen zu wollen, umgeben von blauen Kästchen? Warum lernen wir nicht, dass wir in diesem Medium selten Zuneigung erfahren, stattdessen immer nur Kritik? Die Schriftlichkeit hat uns mit dem Buch die Kritik gebracht, das Internet uns sofortiges Widersprechen, das nicht zum Abschluss kommen will, bis alle Energie verbraucht ist. Wer aber anstupst, sagt nichts, meint nichts, trifft keine Aussage über ein Drittes ausserhalb der Beziehung zwischen ihm und dem Gestupsten.
Wer Fremde anstupst, riskiert alles. Anstupsen kann alles bedeuten: was unter Fremden ein Zunahetreten sein kann, auf das mit schroffer Ablehnung zu rechnen ist, kann unter Freunden eine Berührung sein. Das Anstupsen zeigt, ob eine Grenze ist. Wer den falschen anstupst, hat sie überschritten, und das entscheidet der Gestupste. Wer anstupst, unterwirft sich so der Willkür des Gestupsten: Er darf jede Bedeutung im Anstupsen vermuten – auch eine solche, die den Stupser ins Unrecht setzt. Wer anstupst, macht sich nackt.
Anstupsen kann wegen der unendlich unklaren Bedeutung nur bedeuten: Sieh mich. Ich lade Dich ein auf eine Reise mit mir. Während alle Kommunikation auf Facebook darum ringt, sich endlich so auszudrücken, dass man verstanden wird, sagt das Anstupsen: Ich bin da – und Du suchst aus, ob Du verstanden werden willst.
Was die Welt braucht, ist reines Anstupsen. Wer anstupst, lädt zum Frieden ein.

Kinderturnen

Von Felix Bartels

In der Umkleidekabine gestern beim Kinderturnen kommt neben mir ein Vater mit Kind zu sitzen. Son janz subtiler mit Singsang in der Stimme, der seinem Kind gegenüber nie laut noch irgendwie physisch werden würde, aber trotzdem die ganze Zeit hör- und sichtbar Druck ausübt. Er nutzt seine naturgegebene Überlegenheit, dem Kind keinen Raum zu lassen, irgendwie argumentativ Boden unter die Füße zu bekommen. Und es geht um die wichtige Frage, zu welchem Dönerimbiss man nachher gehen werde. Die Fortsetzung des autoritären Charakters mit anderen Mitteln sozusagen. In mein Notebook tippend verbringe die Zeit damit, den Papa abscheulich zu finden. Dann klingelt sein Handy. Mit dem Thema von Darth Vader. Das ist so absurd passend, dass er mir, ohne dass ich was dagegen machen kann, gleich wieder sympathisch wird. Ich lenke mich ab, indem ich weiter Bartelsgedanken tippe, wobei die Tippgeräusche allgemach lauter werden. Dann, ein paar Minuten weiter, klingelt mein Handy. Mit der Titelmusik von Knight Rider, die mich vom Sympathiebefall heilt und erinnert, dass das Böse bekämpft werden muss.

Balkanroute

Man nennt sie auch gypsymusic, oder Zigeunermusik. War als balkanbeats in den Clubs der Metropolen vor ein paar Jahren total angesagt. Gestern gab es in der Wabe wieder mal eine beeindruckende Kostprobe dieses Genre. Musik hat die Gabe, dich in Sekundenschnelle in einem anderen Kosmos zu katapultieren. 

So auch gestern. Mir wurde plötzlich klar, dass ich letzten Sommer fast die ganze sogenannte Balkanroute abgereist bin. Von Tessaloniki über Skopje, Sofia, Belgrad, Budapest schließlich nach Berlin. Tausende Menschen versuchten und versuchen tagtäglich etwa diesen Weg zu nutzen, um nach Mitteleuropa zu gelangen. Ihnen bleibt aber fast immer irgendeine Möglichkeit versperrt, die Grenzen und Hürden zu überwinden. 

Ich hatte den nötigen Pass zur Passage, war nur von den langen Wartezeiten im Bus genervt. Beim Anblick der vielen an Grenzübergängen und Bahnhöfen gestrandeten Menschen dachte ich mehr an Sommer und Camping, als an die große Not. Es war alles irgendwie exotisch. Am Keleti Bahnhof waren es damals so viele, dass ich froh war, endlich im Schlafwagen nach Berlin zu sein. Kurz danach öffnete Merkel kurzzeitig die Grenze. 

Ich fand die Route für eine Sommertour ideal, abwechslungsreich, gut zu bereisen, abenteuerlich. Dass ich einen Schicksalsweg für so viele Menschen in Not begangen haben, wurde mir viel später klar und die zwiespältigeneue Gedanken bleiben. 

Süßigkeiten 

Nie waren sie irgendwie Gegenstand von Erpressung oder mussten als Bestechung herhalten. Kaum was hatte sowenig Einfluss mein Lebenslauf, wie Süßigkeiten. Trotzdem sind Vorlieben für Marzipan, Mohnkuchen und vollnussige Rittersportschokolade geblieben, nachdem der güldene Westen über uns kam. 

Tante Hedwig schickte seinerzeit immer das Billigangebot von Aldi als Westpaket an Weihnachten ihren armen Verwandten in den Osten. Die Karina Schokolade wurde dann mitunter bis Ostern aufgehoben, so dass sie nicht mehr genießbar war. Oder sie ging schon vorher als Bezahlung an meinem Bruder, für die Ausarbeitung einer künstlerisch wertvollen Hausaufgabe im Heimatkundeunterricht über die Laubbäume unseres Waldes, zu der ich selbst nicht in der Lage war. 

Ansonsten haben Süßigkeiten bis heute keinen Wert für mich. Dennoch sind sie Sinnbild der bunten Warenwelt des Westen.Immer perfekt eingepackt, gelten sie in ihrer gefährlichen Süsse als Offenbarung für Kinder und Jugendliche. Auf den Ferienfahrten, die ich zuweilen als Betreuer unternehme, muss man mit wahren Schwemmen von süssem Naschwerk rechnen, da das Budget einer Selbstversorgungsreise meist für diese Anhäufung von Kariesförderer reicht und das Versorgungsgeld ausgegeben werden muss. 

Dann begegnen sie mir wieder, die haribos, duplos, kitkats und kinder Schokoladen, fein säuberlich und extrem bunt eingepackt und erinnern mich wieder an meine Kindheit der Entsagung, wo wir die Verpackung von mon cherie Pralinen bis zum Mauerfall in unserem Poesiealbum aufhoben. 

7 neue Erden

Von Burkhard Niehues  

Was zum Teufel sind eigentlich Exoplaneten?
Exoplaneten, Planeten, die um andere Sonnen kreisen, sind momentan der absolute hot shit unter geltungssüchtigen US-Astronomen, die Ihre Birne unbedingt mal ins TV (Sky) hängen wollen („exo“, von „exovertiert“). Das Weltraumteleskop Kepler hat offenbar einen erdähnlichen Gesteinsplaneten entdeckt, der anderthalb mal so groß ist wie die Erde und zwanzig Tage länger für die Umrundung seines Sterns braucht, die lahme Sau! Mittlerweile wurden etwas über tausend dieser Planeten aufgespürt. Einige dummerweise auch von Keplers weniger bekanntem Zwillingsteleskop „Pichler“, dessen Linse durch einen technischen Defekt stark getrübt ist. Leider sind die Planeten auch schweineweit weg wie etwa Pichler-452b im Blauen Kreuz des Südens: 1.400 Lichtjahre, 4 Lichttage und ein (langes) Lichtwochenende (den Umweg um die dunkle Materie noch nicht eingerechnet!). Die wenigen Messdaten, die als zuverlässig eingestuft werden können, sind zudem wenig ermutigend. Der Planet wurde durch indirekte Messung aufgespürt. Pichler-452b ist vollständig von einem Ozean aus reinem Alkohol bedeckt und bewegt sich so dicht um seinen blauen Riesenstern, dass dieser seine Atmosphäre langsam aber sicher verdampft, und infolgedessen selbst heftig herumtorkelt. Die Existenz von intelligentem Leben ist eher fraglich, bestenfalls wird es wohl dauerbreit und einseitig literarisch begabt sein. Astroanglisten sprechen auch vom „Bukowsky-Effekt“. Bei der Transitmethode wird eine extrem schwache Lichtschwankung gemessen, die auftritt, wenn der Planet von der Erde aus gesehen an seinem Stern vorbeizieht. Pech für die Wissenschaftler: oft ist es eine beim Querlüften aus der ISS entwischte Mücke, die auf das Weltraumteleskop gekackt hat. Weiß der Himmel, wir werden wohl nie erfahren, was da draußen abgeht! Herkömmliche Dieselraketen sind zu langsam! Trotzdem werden astronomische Summen verbraten, um kakerlakenartige Aliens aufzuspüren, die auf drei Beinen gehen und sich von Erdöl (mit oder ohne Gas) und Yellowcake ernähren. Ein Nachbarplanet von Pichler-452b , Pichler-452cw, befindet sich sogar in der bewohnbaren Zone, dreht sich aber viel zu schnell. Die Folge: Monsterstürme, die mit Mach 5 über seine Oberfläche fegen. Hochentwickeltes Leben wäre hier allenfalls unter Tage möglich. Regenwurmartige Maulwurfwesen, die kein Fernsehen kennen. Immerhin wären Sie da unten sicher vor dem Geplapper und Getwitter, dass wir seit Jahrzehnten ins All blasen. Für wortkarge, aber hochintelligente Außerirdische nördlich des Polarsterns wäre das hingegen tödlich.

In Hongkong essen sie Hunde

Wenn man, wie ich, Städtereisender ist und dann in Hongkong nach urbanem Leben sucht, wird man mehr als fündig. Wenn Stadt, dann Hongkong. Man erreicht hier die Stadtparks über siebenstöckige Einkaufscenter. Es ist jeder freie Fleck irgendwie urbar gemacht und der Benutzung durch Menschen frei gegeben worden. Nur da, wo es gar nicht mehr geht, wo die Berge zu steil sind, hat man nicht gebaut. Dort findet man dann völlig überraschend eine entrückte Natur.

Die gruenen Hügel wechseln sich mit Wolkenkratzer ab, dass man sich fragt, wer hier eigentlich zuerst hier war. Hongkong ist von einem Fischerdorf über ein Piratennest zur Mega-Metropole mutiert und vereinigt den asiatischen Größenwahn der Neuzeit mit den Auswüchsen einer sich vermehrenden Spezies auf Kosten der Umwelt, der Pflanzen und Tiere. Das neue China spiegelt sich hier wider und gibt sich freiheitlich, wie sonst nirgends im Riesenreich des Drachens.

Die Menschen sind zurückhaltend, freundlich, konsumsüchtig und rücksichtslos. Sie geniessen Freizügigkeit, alte Rituale und Schlange stehen. Es ist hier kein Problem, für ein Ausflugsziel drei Stunden anzustehen. Einerseits ist es ein devoter Habitus, sich dem Schicksal zu ergeben, anderseits sind sie aber durchaus fähig, eigene Bedürfnisse mit Verve zu artikulieren.

Das ist hier kein Widerspruch. Dieses ambivalente Verhältnis zum Alltagsleben zeichnet diese Hongkong-Chinesen aus. Und ihr Hang zu einem Essen, das nicht fragt, was drin ist, wenn es immer unheimlich lecker ist. Ich weiss nicht, was ich alles am Ende gegessen habe. Vertragen habe ich es immer, satt geworden bin ich auch, also habe ich lieber nicht nachgefragt.

Als ich kleine Hundwelpen in Käfigen sah, wusste ich nicht, ist es eine Tierhandlung oder doch die Auslagen eines Feinschmeckerlokals. Wenn hier ein Einwohner mit seinem Hund Gassi geht, könnte man meinen, er führt sein Proviant aus. Beweise dafür, dass sie hier Hunde essen, habe ich freilich nicht entdecken können.

Eine Stadt, laut und lecker, die man so schnell nicht vergisst. Nicht Tokio und nicht Bangkok, nicht Schanghai und nicht Seoul und doch von jedem etwas und ein bisschen mehr. Wenn man Hongkong erlebt hat, wie ich es erlebt habe, kann man sich ne Menge asiatischer Großstädte sparen und ist vom Städtereisen insgesamt erstmal vollends gesättigt.