Platte

Von Leander Sukov

Plattenbausiedlung
Morgens Blick über Felder. Dann Kaffee. Brot. Radio. Mittags Blick über Felder. Türe öffnen wenn es schellt. Essen auf Rädern. Fernsehen. Nachmittags. Hinunterfahren. Langsam zum Supermarkt. Irgendwas kaufen. Mit der Kassenkraft sprechen. Abends Blick in die Fenster des Hauses schräg gegenüber. Dann Tee. Fernsehen. Schlafen. Nicht träumen. Wegen des Erwachens. 

Morgens Blick über Felder. Dann Kaffee. Brot. Radio. Mittags Blick über Felder. Türe öffnen wenn es schellt. Essen auf Rädern. Fernsehen. Nachmittags. Hinunterfahren. Langsam zum Supermarkt. Irgendwas kaufen. Mit der Kassenkraft sprechen. Abends Blick in die Fenster des Hauses schräg gegenüber. Dann Tee. Fernsehen. Schlafen. Nicht träumen. Wegen des Erwachens. 

Morgens Blick über Felder. Dann Kaffee. Brot. Radio. Mittags Blick über Felder. Türe öffnen wenn es schellt. Essen auf Rädern. Fernsehen. Nachmittags. Hinunterfahren. Langsam zum Supermarkt. Irgendwas kaufen. Mit der Kassenkraft sprechen. Abends Blick in die Fenster des Hauses schräg gegenüber. Dann Tee. Fernsehen. Schlafen. Nicht träumen. Wegen des Erwachens. 

Morgens Blick über Felder. Dann Kaffee. Brot. Radio. Mittags Blick über Felder. Türe öffnen wenn es schellt. Essen auf Rädern. Fernsehen. Nachmittags. Hinunterfahren. Langsam zum Supermarkt. Irgendwas kaufen. Mit der Kassenkraft sprechen. Abends Blick in die Fenster des Hauses schräg gegenüber. Dann Tee. Fernsehen. Schlafen. Nicht träumen. Wegen des Erwachens. 

Morgens Blick über Felder. Dann Kaffee. Brot. Radio. Mittags Blick über Felder. Türe öffnen wenn es schellt. Essen auf Rädern. Fernsehen. Nachmittags. Hinunterfahren. Langsam zum Supermarkt. Irgendwas kaufen. Mit der Kassenkraft sprechen. Abends Blick in die Fenster des Hauses schräg gegenüber. Dann Tee. Fernsehen. Schlafen. Nicht träumen. Wegen des Erwachens. 

Morgens Blick über Felder. Dann Kaffee. Brot. Radio. Mittags Blick über Felder. Türe öffnen wenn es schellt. Essen auf Rädern. Fernsehen. Nachmittags. Hinunterfahren. Langsam zum Supermarkt. Irgendwas kaufen. Mit der Kassenkraft sprechen. Abends Blick in die Fenster des Hauses schräg gegenüber. Dann Tee. Fernsehen. Schlafen. Nicht träumen. Wegen des Erwachens. 

Morgens Blick über Felder. Dann Kaffee. Brot. Radio. Mittags Blick über Felder. Türe öffnen wenn es schellt. Essen auf Rädern. Fernsehen. Nachmittags. Hinunterfahren. Langsam zum Weiher. Bank. Tauben. Füttern. Manchmal: unterhalten. Abends Blick in die Fenster des Hauses schräg gegenüber. Dann Tee. Fernsehen. Schlafen. Nicht träumen. Wegen des Erwachens.

Handshake und 3600 Rollen Toilettenpapier 

Von Peter Breuer

Vor einigen Jahren habe ich gelesen, dass ein durchschnittlicher Deutscher angeblich zwischen seiner Geburt und seinem Tod nur 3.600 Rollen Toilettenpapier verbraucht. Das wäre selbst bei einem 70jährigen Leben nur eine Rolle pro Woche.  Das erscheint mir wenig, aber würde man die Hülsen zusammenkleben, könnte man damit eine dreieinhalb Kilometer lange Rohrpostanlage bauen. Oder 1.200 Stiftehalter mit drei Fächern für Buntstifte. Viel spannender finde ich einen europäisch-amerikanischen Vergleich und die Zahlen sind brandaktuell, ich habe sie vorhin erst recherchiert: Die USA haben zwar nur fünf Mal so viele Einwohner wie Frankreich, verbrauchen aber neun Mal so viel Toilettenpapier. Seit ich das weiß, frage ich mich, wann ich zuletzt einem Franzosen so lange die Hand geschüttelt habe, wie Donald Trump das mit Emmanuel Macron am Freitag tat. Und gleichzeitig möchte ich über das Umweltverhalten der USA 69,5 Liter Tränen weinen, aber das wäre eine gesamte Lebensproduktion.

Das autistische Kind 

Von Autism and Mom 

Mein wundervoller Sohn mit Asperger Autismus.🌈❤️💛💚💙💜

Es gibt Tage, da wirkt er auf andere Menschen ganz „normal“ und unauffällig. 

Er sieht ganz normal aus (zur großen Verwunderung vieler Menschen die keine Ahnung von Autismus haben) 🙄🙄 und er kann ausgezeichnet sprechen.

Es gibt aber auch Tage, da fällt er sehr auf. Meistens unangenehm. Er wirkt auf andere komisch und seltsam.
Man könnte meinen, er kann seinen Autismus steuern.

Deswegen denken viele, er könnte sich doch einfach mal zusammen reißen, wenn es mal nicht so klappt wie an manch guten Tagen.

Das ist aber falsch. 

Er kann das nicht steuern!!!

Er kann Verhaltensregeln dieser Gesellschaft lernen. 

Er kann sozusagen handeln, wie es von ihm verlangt wird.

Auch wenn solch ein Verhalten für ihn oft nicht logisch erscheint. Aber genau das ist ihm doch so wichtig! Die Logik!

Natürlich muss er vieles lernen, um besser in dieser für ihn  schnellen, hektischen, lauten und merkwürdigen Welt von uns klarzukommen.

Das kann aber einer Mutter sehr weh tun.

Denn in Momenten, die uns oft stolz machen, weil wir sehen, dass sich unser Kind gerade benimmt wie alle anderen, wird uns schmerzlich bewusst, dass das eigentlich nicht er ist.

Es ist kein spontanes, sondern angelerntes Verhalten.

Trotzdem kommen wir nicht drum herum.

Unserer Kinder müssen irgendwann auf eigenen Füßen stehen!

Und das funktioniert nun mal besser, wenn man lernt sich anzupassen. 
Asperger Autismus gilt als leichte, oder abgeschwächte Form der Autismus Spektrum Störung. 

Die Kinder können viel Teil unserer Welt sein und ermöglichen uns einen Einblick in die ihre.

Das ist toll. 

Ich bin dankbar dafür. 
Trotzdem werde ich nicht hinter der Aussage stehen, dass das Leben einfacher und unkomplizierter ist, als mit einem frühkindlichen Autisten. 

Jede Art von Autismus ist einzigartig und eine Herausforderung.

Eine wichtige Regel dabei ist,

lass dich darauf ein und öffne deine Augen und vorallem dein Herz! 
Und was viele endlich verstehen müssen:
📌Mein Kind ist nicht unhöflich,

sondern ehrlich!

📌Er ist nicht schlecht erzogen,

er passt sich nur nicht bedingungslos an.

📌Er ist nicht neugierig,

er ist interessiert.

📌Er ist nicht schüchtern,

er hat nur kein Interesse an Smalltalk.

📌Er ist kein Besserwisser,

aber besteht auf absolute Genauigkeit.

📌Er ist nicht launisch,

er unterdrückt nur seine Gefühle nicht.

📌Er ist keine Heulsuse,

er ist hochsensibel.

📌Er ist nicht nur am nörgeln,

er ist ein Perfektionist.

📌Er verhält sich nicht unangemessen, er versucht mit ganzer Kraft sich anzupassen!
Er ist in einem ständigen Kampf mit Reizen und für ihn unverständlichen Dingen.
Wenn er mal etwas nicht so gut kann, oder etwas auffällig ist, dann erwarte ich uneingeschränktes Verständnis für meinen Sohn!!!! 

Denn nichts anderes bringt er euch täglich entgegen!!!!!

Facebook-Anstupsen ist Frieden 

Von Christoph Kappes 

Die Reinheit des Anstupsens
Was bedeutet es, jemanden anzustupsen, diese frühe und vielleicht etwas kindliche Facebook-Funktion? Facebook schweigt dazu. Auch über eine Kultur des Anstupsens wurde bisher nicht berichtet. Dennoch weiss niemand, ob das Anstupsen nicht insgeheim blüht.
Ist Anstupsen Zustimmung, Widerspruch? Sicher nicht. Da das Anstupsen völlig ohne Bedeutung zu sein scheint, muss man es herausfinden. Wer anstupst, will sich bemerkbar machen. Das Anstupsen ist ein mehrschrittiger Kommunikationsvorgang: A macht eine Selektion, der B eine zweite Selektion folgen lassen kann: Dem Anstupsen folgt das Angestupstwerden, dem Sichbemerkbarmachen das Bemerken. Erfolgreiches Anstupsen bewirkt die Verbindung zwischen A und B, die Kante zwischen Knoten. Erfolgreiches Anstupsen ist reine Beziehung.
Der Fehler der Menschen ist, sich auf Social Media immer ausdrücken zu wollen. Man will etwas zeigen, seine Meinung sagen, überzeugen. Aber muss das wirklich sein? Heisst Zivilisiertheit nicht auch, anderen das eigene Ego nicht ins Gesicht pressen zu wollen, umgeben von blauen Kästchen? Warum lernen wir nicht, dass wir in diesem Medium selten Zuneigung erfahren, stattdessen immer nur Kritik? Die Schriftlichkeit hat uns mit dem Buch die Kritik gebracht, das Internet uns sofortiges Widersprechen, das nicht zum Abschluss kommen will, bis alle Energie verbraucht ist. Wer aber anstupst, sagt nichts, meint nichts, trifft keine Aussage über ein Drittes ausserhalb der Beziehung zwischen ihm und dem Gestupsten.
Wer Fremde anstupst, riskiert alles. Anstupsen kann alles bedeuten: was unter Fremden ein Zunahetreten sein kann, auf das mit schroffer Ablehnung zu rechnen ist, kann unter Freunden eine Berührung sein. Das Anstupsen zeigt, ob eine Grenze ist. Wer den falschen anstupst, hat sie überschritten, und das entscheidet der Gestupste. Wer anstupst, unterwirft sich so der Willkür des Gestupsten: Er darf jede Bedeutung im Anstupsen vermuten – auch eine solche, die den Stupser ins Unrecht setzt. Wer anstupst, macht sich nackt.
Anstupsen kann wegen der unendlich unklaren Bedeutung nur bedeuten: Sieh mich. Ich lade Dich ein auf eine Reise mit mir. Während alle Kommunikation auf Facebook darum ringt, sich endlich so auszudrücken, dass man verstanden wird, sagt das Anstupsen: Ich bin da – und Du suchst aus, ob Du verstanden werden willst.
Was die Welt braucht, ist reines Anstupsen. Wer anstupst, lädt zum Frieden ein.

Kinderturnen

Von Felix Bartels

In der Umkleidekabine gestern beim Kinderturnen kommt neben mir ein Vater mit Kind zu sitzen. Son janz subtiler mit Singsang in der Stimme, der seinem Kind gegenüber nie laut noch irgendwie physisch werden würde, aber trotzdem die ganze Zeit hör- und sichtbar Druck ausübt. Er nutzt seine naturgegebene Überlegenheit, dem Kind keinen Raum zu lassen, irgendwie argumentativ Boden unter die Füße zu bekommen. Und es geht um die wichtige Frage, zu welchem Dönerimbiss man nachher gehen werde. Die Fortsetzung des autoritären Charakters mit anderen Mitteln sozusagen. In mein Notebook tippend verbringe die Zeit damit, den Papa abscheulich zu finden. Dann klingelt sein Handy. Mit dem Thema von Darth Vader. Das ist so absurd passend, dass er mir, ohne dass ich was dagegen machen kann, gleich wieder sympathisch wird. Ich lenke mich ab, indem ich weiter Bartelsgedanken tippe, wobei die Tippgeräusche allgemach lauter werden. Dann, ein paar Minuten weiter, klingelt mein Handy. Mit der Titelmusik von Knight Rider, die mich vom Sympathiebefall heilt und erinnert, dass das Böse bekämpft werden muss.

Balkanroute

Man nennt sie auch gypsymusic, oder Zigeunermusik. War als balkanbeats in den Clubs der Metropolen vor ein paar Jahren total angesagt. Gestern gab es in der Wabe wieder mal eine beeindruckende Kostprobe dieses Genre. Musik hat die Gabe, dich in Sekundenschnelle in einem anderen Kosmos zu katapultieren. 

So auch gestern. Mir wurde plötzlich klar, dass ich letzten Sommer fast die ganze sogenannte Balkanroute abgereist bin. Von Tessaloniki über Skopje, Sofia, Belgrad, Budapest schließlich nach Berlin. Tausende Menschen versuchten und versuchen tagtäglich etwa diesen Weg zu nutzen, um nach Mitteleuropa zu gelangen. Ihnen bleibt aber fast immer irgendeine Möglichkeit versperrt, die Grenzen und Hürden zu überwinden. 

Ich hatte den nötigen Pass zur Passage, war nur von den langen Wartezeiten im Bus genervt. Beim Anblick der vielen an Grenzübergängen und Bahnhöfen gestrandeten Menschen dachte ich mehr an Sommer und Camping, als an die große Not. Es war alles irgendwie exotisch. Am Keleti Bahnhof waren es damals so viele, dass ich froh war, endlich im Schlafwagen nach Berlin zu sein. Kurz danach öffnete Merkel kurzzeitig die Grenze. 

Ich fand die Route für eine Sommertour ideal, abwechslungsreich, gut zu bereisen, abenteuerlich. Dass ich einen Schicksalsweg für so viele Menschen in Not begangen haben, wurde mir viel später klar und die zwiespältigeneue Gedanken bleiben. 

Süßigkeiten 

Nie waren sie irgendwie Gegenstand von Erpressung oder mussten als Bestechung herhalten. Kaum was hatte sowenig Einfluss mein Lebenslauf, wie Süßigkeiten. Trotzdem sind Vorlieben für Marzipan, Mohnkuchen und vollnussige Rittersportschokolade geblieben, nachdem der güldene Westen über uns kam. 

Tante Hedwig schickte seinerzeit immer das Billigangebot von Aldi als Westpaket an Weihnachten ihren armen Verwandten in den Osten. Die Karina Schokolade wurde dann mitunter bis Ostern aufgehoben, so dass sie nicht mehr genießbar war. Oder sie ging schon vorher als Bezahlung an meinem Bruder, für die Ausarbeitung einer künstlerisch wertvollen Hausaufgabe im Heimatkundeunterricht über die Laubbäume unseres Waldes, zu der ich selbst nicht in der Lage war. 

Ansonsten haben Süßigkeiten bis heute keinen Wert für mich. Dennoch sind sie Sinnbild der bunten Warenwelt des Westen.Immer perfekt eingepackt, gelten sie in ihrer gefährlichen Süsse als Offenbarung für Kinder und Jugendliche. Auf den Ferienfahrten, die ich zuweilen als Betreuer unternehme, muss man mit wahren Schwemmen von süssem Naschwerk rechnen, da das Budget einer Selbstversorgungsreise meist für diese Anhäufung von Kariesförderer reicht und das Versorgungsgeld ausgegeben werden muss. 

Dann begegnen sie mir wieder, die haribos, duplos, kitkats und kinder Schokoladen, fein säuberlich und extrem bunt eingepackt und erinnern mich wieder an meine Kindheit der Entsagung, wo wir die Verpackung von mon cherie Pralinen bis zum Mauerfall in unserem Poesiealbum aufhoben.