Individualismus in der M10

In der Gegend, wo ich wohne haben sich die Individualist*innen breit gemacht. Zumindest äußerlich hat man auf den ersten Blick den Eindruck, der Anteil der selbstgesteuerten und -ermächtigten Leute ist hier besonders hoch. Bunte Kreativität hat Einzug in das Äußere genommen, emanzipierte Attitüde beherrscht die Szenerie. Das geht, besonders in der Straßenbahnlinie M10 und dank I-Pod und anderer Smartphone, dank der sozialen Netze, bis hin zum kollektiven Sozialautismus. Auch wirkt die Buntheit beim genaueren Hinsehen eher uniform und gleichgeschaltet. Schade um so manches wirklich kreative Potential, wenn man der konsumverseuchten und arbeitsgeilen Herde hinter her schaut. Sie denken von sich, sie haben sich wirklich verwirklicht. Dabei sind sie, getrieben von sozialer Reputation, vom unbedingten Willen, dazu zu gehören und sich nach unten abgrenzen zu können, schon längst eine gehetzte Meute, wo das Private nicht mehr privat ist, wo Lebensentwürfe gescheitert sind und wo trotzdem noch die Contenance gehalten werden muss. Erbärmlich ist der Zustand, wo nur noch Form und weniger Inhalt zählt. Die Jagd nach dem goldenen Kalb kann man wahrscheinlich nur mit pathologischer Schizophrenie erfolgreich bestreiten. Somit kann die Mitfahrt in der M10 eine auch durchaus amüsante Angelegenheit werden.

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