In Hongkong essen sie Hunde

Wenn man, wie ich, Städtereisender ist und dann in Hongkong nach urbanem Leben sucht, wird man mehr als fündig. Wenn Stadt, dann Hongkong. Man erreicht hier die Stadtparks über siebenstöckige Einkaufscenter. Es ist jeder freie Fleck irgendwie urbar gemacht und der Benutzung durch Menschen frei gegeben worden. Nur da, wo es gar nicht mehr geht, wo die Berge zu steil sind, hat man nicht gebaut. Dort findet man dann völlig überraschend eine entrückte Natur.

Die gruenen Hügel wechseln sich mit Wolkenkratzer ab, dass man sich fragt, wer hier eigentlich zuerst hier war. Hongkong ist von einem Fischerdorf über ein Piratennest zur Mega-Metropole mutiert und vereinigt den asiatischen Größenwahn der Neuzeit mit den Auswüchsen einer sich vermehrenden Spezies auf Kosten der Umwelt, der Pflanzen und Tiere. Das neue China spiegelt sich hier wider und gibt sich freiheitlich, wie sonst nirgends im Riesenreich des Drachens.

Die Menschen sind zurückhaltend, freundlich, konsumsüchtig und rücksichtslos. Sie geniessen Freizügigkeit, alte Rituale und Schlange stehen. Es ist hier kein Problem, für ein Ausflugsziel drei Stunden anzustehen. Einerseits ist es ein devoter Habitus, sich dem Schicksal zu ergeben, anderseits sind sie aber durchaus fähig, eigene Bedürfnisse mit Verve zu artikulieren.

Das ist hier kein Widerspruch. Dieses ambivalente Verhältnis zum Alltagsleben zeichnet diese Hongkong-Chinesen aus. Und ihr Hang zu einem Essen, das nicht fragt, was drin ist, wenn es immer unheimlich lecker ist. Ich weiss nicht, was ich alles am Ende gegessen habe. Vertragen habe ich es immer, satt geworden bin ich auch, also habe ich lieber nicht nachgefragt.

Als ich kleine Hundwelpen in Käfigen sah, wusste ich nicht, ist es eine Tierhandlung oder doch die Auslagen eines Feinschmeckerlokals. Wenn hier ein Einwohner mit seinem Hund Gassi geht, könnte man meinen, er führt sein Proviant aus. Beweise dafür, dass sie hier Hunde essen, habe ich freilich nicht entdecken können.

Eine Stadt, laut und lecker, die man so schnell nicht vergisst. Nicht Tokio und nicht Bangkok, nicht Schanghai und nicht Seoul und doch von jedem etwas und ein bisschen mehr. Wenn man Hongkong erlebt hat, wie ich es erlebt habe, kann man sich ne Menge asiatischer Großstädte sparen und ist vom Städtereisen insgesamt erstmal vollends gesättigt.

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