Süßigkeiten 

Nie waren sie irgendwie Gegenstand von Erpressung oder mussten als Bestechung herhalten. Kaum was hatte sowenig Einfluss mein Lebenslauf, wie Süßigkeiten. Trotzdem sind Vorlieben für Marzipan, Mohnkuchen und vollnussige Rittersportschokolade geblieben, nachdem der güldene Westen über uns kam. 

Tante Hedwig schickte seinerzeit immer das Billigangebot von Aldi als Westpaket an Weihnachten ihren armen Verwandten in den Osten. Die Karina Schokolade wurde dann mitunter bis Ostern aufgehoben, so dass sie nicht mehr genießbar war. Oder sie ging schon vorher als Bezahlung an meinem Bruder, für die Ausarbeitung einer künstlerisch wertvollen Hausaufgabe im Heimatkundeunterricht über die Laubbäume unseres Waldes, zu der ich selbst nicht in der Lage war. 

Ansonsten haben Süßigkeiten bis heute keinen Wert für mich. Dennoch sind sie Sinnbild der bunten Warenwelt des Westen.Immer perfekt eingepackt, gelten sie in ihrer gefährlichen Süsse als Offenbarung für Kinder und Jugendliche. Auf den Ferienfahrten, die ich zuweilen als Betreuer unternehme, muss man mit wahren Schwemmen von süssem Naschwerk rechnen, da das Budget einer Selbstversorgungsreise meist für diese Anhäufung von Kariesförderer reicht und das Versorgungsgeld ausgegeben werden muss. 

Dann begegnen sie mir wieder, die haribos, duplos, kitkats und kinder Schokoladen, fein säuberlich und extrem bunt eingepackt und erinnern mich wieder an meine Kindheit der Entsagung, wo wir die Verpackung von mon cherie Pralinen bis zum Mauerfall in unserem Poesiealbum aufhoben. 

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