Balkanroute

Man nennt sie auch gypsymusic, oder Zigeunermusik. War als balkanbeats in den Clubs der Metropolen vor ein paar Jahren total angesagt. Gestern gab es in der Wabe wieder mal eine beeindruckende Kostprobe dieses Genre. Musik hat die Gabe, dich in Sekundenschnelle in einem anderen Kosmos zu katapultieren. 

So auch gestern. Mir wurde plötzlich klar, dass ich letzten Sommer fast die ganze sogenannte Balkanroute abgereist bin. Von Tessaloniki über Skopje, Sofia, Belgrad, Budapest schließlich nach Berlin. Tausende Menschen versuchten und versuchen tagtäglich etwa diesen Weg zu nutzen, um nach Mitteleuropa zu gelangen. Ihnen bleibt aber fast immer irgendeine Möglichkeit versperrt, die Grenzen und Hürden zu überwinden. 

Ich hatte den nötigen Pass zur Passage, war nur von den langen Wartezeiten im Bus genervt. Beim Anblick der vielen an Grenzübergängen und Bahnhöfen gestrandeten Menschen dachte ich mehr an Sommer und Camping, als an die große Not. Es war alles irgendwie exotisch. Am Keleti Bahnhof waren es damals so viele, dass ich froh war, endlich im Schlafwagen nach Berlin zu sein. Kurz danach öffnete Merkel kurzzeitig die Grenze. 

Ich fand die Route für eine Sommertour ideal, abwechslungsreich, gut zu bereisen, abenteuerlich. Dass ich einen Schicksalsweg für so viele Menschen in Not begangen haben, wurde mir viel später klar und die zwiespältigeneue Gedanken bleiben. 

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