Archiv der Kategorie: Geschichten von anderen

„Kein Betrag von Garnelen auf die Barbie wird dies zu heilen“

Alex traf ich in Seranda/Albanien. Er war monatelang in Europa unterwegs, ist ein typischer Traveller gewesen. Jetzt ist er in seiner Heimat Australien wieder angekommen und schreibt allen, die er auf seinen Wegen getroffen hat. Die drollige Uebersetzung gibt trotzdem seine Stimmungslage wieder und macht noch mehr Sehnsucht aufs Reisen:

Leider hatte ich vor ein paar Wochen meiner Reise kurz und Rückkehr in das Land down under zu schneiden. Ich bin immer noch depressiv als Dreck auf dies und kein Betrag von Garnelen auf die Barbie wird dies zu heilen. Für die letzten 7 Monate, die ich den Traum, backpacking in Europa gelebt haben, könnte man sogar sagen, dass ich zu viel Spaß hatte, wie es mich buchstäblich fast umgebracht. Ich besuchte 14 Ländern, erfahrene, so viel, als Person wuchs und machte Erinnerungen mit einigen der besten Leute, dass Sie jemals treffen konnte!Also ich wollte nur sagen Danke an alle, die das einige von ihnen beste Monate meines Lebens gemacht (Sie alle wissen, wer Sie sind) und hoffentlich wird ich Bier mit wie viele von Ihnen trinken wie möglich noch in diesem Jahr in Europa! Vermisse euch alle!

Advertisements

Mutti-Bashing: Das. Letzte. Mal.

„Ein Supermarkt in Pankow an einem Mittwochvormittag im November. Ich brauch noch ein paar Zutaten fürs Mittagessen und für das Abendbrot. Spaghetti, frischen Knoblauch, Weintrauben, Joghurt pur, Salat, Hühnchenbrust. Viel Zeit habe ich nicht, da ich am Nachmittag noch einen Termin habe. Glücklicherweise ist es nicht voll, ich bin Nummer fünf in der Schlange. Alle anderen vor mir haben jeweils nur wenige Artikel aufs Band gelegt. Sollte also schnell erledigt sein.

Die Nähe zum Prenzlauer Berg macht sich hier inzwischen nicht mehr nur durch die Tatsache der geografischen Nähe bemerkbar, sondern auch am steigenden Vorkommen Klischee behafteter Muttis. Um die 30, immer wichtig, Strickrock-Über-Jeans, Jacke vom Designer (oder aus dem Second Hand oder aus der Altkleiderbox – genau kann man das nie sagen oder wissen), Brille mit buntem Gestell und – natürlich – Kinderwagen mit Kind. Xplory Buggy heißen diese Dinger, hab ich herausbekommen.“ …und so geht die Geschichte weiter

„Wo Andere erogene Zonen haben, ist bei mir Hornhaut“

Ein Gedächnisprotokoll

Wo Andere ein Herz haben, fühle ich nichts mehr. Empathie ist was für Weicheier, Tränen für Versager und Liebe …sowas gibt es gar nicht. Sex gibt es nur gegen Bezahlung oder als Vergewaltigung. Und es tut weh, so rein körperlich.

Angefangen hat alles an einem Samstagabend. Ich dürfte noch aufbleiben und den Hauptfilm schauen. In meinem kurzen Schlafanzug hockte ich auf meinem Sessel. Er wuschelte mir ins Haar, streichelte meine Beine, killerte meinem Bauch. Eigentlich wie immer, wenn nicht der andere Tonfall in seiner Frage durchklang, ob es mir gefalle. Ich kicherte und seine rissige Hand schob sich immer höher an meinem Oberschenkel entlang. Irgendwie war es neu und spannend, jedenfalls aufregender als der Film.

Gewaltverbrecher haben meine Sympathie. Sie können ihre Aggressivität ausleben und sich nicht um das eigene, noch um das der Anderen Schicksal kümmern. Sie sind abseits jeder Regel, völlig losgelöst. Das Leid von Unschuldigen macht sie an. Sie sind mein Vorbild, sie gilt es nachzuahmen. Die Gelegenheit wird kommen. Ich werde ihn rächen.

Als er mein Glied griff, tat es weh. Dennoch traute ich mich nicht, mich zu bewegen. Er cremte seine Hände ein und steckte mir den Daumen in den Po. Irgendwie musste ihn das anmachen, er schwitzte und stöhnte. Immerhin wurde er später sanfter und ließ mich in Ruhe, als es bei ihm kam.

Sex ist, wenn zwei Fleischklumpen aufeinander liegen und sich weh tun. Das kann nichts Gutes sein, warum tun sie sich das alle an? Meine Träume sind brutal, damit ich was spüre, muss es schon drastisch sein. Wenn die Nacht zum Alptraum geworden ist, liege ich auch schon mal schweissgebadet im Bett. Ich bekomme den Druck nicht weg, die Beklemmungen bleiben, die Wut sucht sich ein Weg nach draußen.

Als er das erste Mal in mich eindrang, war es wie, als hätte man mich aufgespießt. Ich hatte zu der Zeit noch nicht mal Sex mit mir selbst gehabt. Sein widerliches Glied rammte sich in meinem zarten Körper und zerstörte alles, was vorher lieblich und kindlich war. Ich sprach kaum mehr, wurde immer abgebrühter, merkte irgendwann die nächtlichen Rituale nicht mehr. Alles war wie abgestorben. Ich funktionierte nur noch.

Schon das Wichsen fällt mir schwer. Was soll ich mir auch Animierendes vorstellen? Eine Frau? Sind sie nicht zum benutzen da? Sie sind das Objekt. Im Bordell war es auch so. Da kam ich nicht mal, wie so oft versagt. Nichts geht mehr, nur Schmerz bleibt.

Mit Männern ist es nicht besser. Sie sind grob oder ich bin grob. Es ist alles verkorkst. Dabei hatte ich es versucht. Sie trennte sich, nachdem ich sie verprügelte.

Als ich 16 wurde, hörte er plötzlich auf. Mein Arsch erholte sich langsam, andere Wunden dauerten länger oder schlossen sich gar nicht.

Mein jüngerer Bruder war jetzt in den Fokus gerutscht, dabei war er erst 8. Ich hatte keine Kraft mehr, ihm zu helfen, seine Schreie hörte ich nicht mehr.

Ich wünsche ihm den Tod, aber langsam. Zuerst schneide ich ihm mit der Heckenschere seinen Schwanz ab. Er soll nicht mehr in meine Nähe kommen. Ich werde ihn irgendwann wohl erschlagen. Einfach so.

90% aller sexuellen Missbräuche finden in der eigenen Familie statt. Nur ein Bruchteil davon kommt ans Tageslicht, wird angezeigt oder auf Opferseite, therapiert. Viele Missbrauchsopfer werden selbst zu Sexualstraftätern. Die Meisten finden keine oder nur unglückliche Partnerschaften. Den Tätern ist es meist egal.

Neun rote Karten für Brasilien!

Erika-Mielke-Fachhochschule Hoyerswerda hat eine Version für das Halbfinale: „Die Agentinnen wollten sichergehen, dass zum Halbfinale die Deutsche Fußballnationalmannschaft gut in Form ist. Sie haben darum kurzerhand Joachim „Jogi“ Löw auf den Stillen-Stuhl verbannt und üben für morgen Abend fleißig Körperkontakt mit den Jungs.

Die Mannschaft war zum Anfang leicht erschrocken, als die Damen aus Hoyerswerda das Training übernahmen, aber sie konnten mit kompromittierenden Fotos (die Agentin M mit Hilfe einer Nachtsichtkamera und Schlafmittel in den Getränken der Jungs letzte Nacht geschossen hatte) relativ schnell überzeugt werden …

Auf diesem Bild außerdem zu sehen Agentin M, die Jogi Löw überwacht; Agentin K, die das Schiedsrichter-Lager infiltriert um für ein „fairen“ Wettkampf (und 11 roten Karten für die brasilianische Mannschaft) zu sorgen; und schließlich Agentin G, die einfach nur ihr schickes Kleid zeigen wollte …“

 

Ländliches Abchasien!

Von Uwe Rabenschwarz

Ich gehe auf den Balkon und denke noch „Komisches Geräusch, hört sich ja an, als ob hier irgendwo ein Bienenschwarm ist!“, da sehe ich auch schon: Die Linde ist dicht besiedelt. Lauter kleiner Lindenblütenhonigproduzenten. Bis zu denen hat sich das mit dem Bienensterben anscheinend noch nicht herumgesprochen.

Ich habe die Kamikatze dann lieber reingeholt, die guckte so hungrig. Nicht daß es nachher ein Katzensterben gibt. Viele Bienen sind der Katze Tod!

Während des Ghana-Spiels schlug die Stimmung um…

WM: Der schmale Grat zwischen Patriotismus und Nationalismus

„Party-Patriotismus ist bei Großturnieren erwünscht, nationalistische Äußerungen werden als Affekthandlung abgetan. Während des Ghana-Spiels schlug die Stimmung um.

Von Paul Hofmann und Anne-Sophie Balzer

Es läuft die 53. Minute des WM-Spiels Deutschland gegen Ghana. Ein Zuschauer rennt auf den Rasen, auf seinen nackten Oberkörper sind seine Telefonnummer und E-Mail-Adresse gemalt, zwei der Buchstaben ähneln den SS-Runen. „Überhaupt nicht Nazi“, wird der polnische Mann anschließend auf seinem Facebook-Profil dementieren, es habe sich vielmehr um zwei „4“-Ziffern gehandelt. Nach brasilianischen Medienberichten wollte er lediglich Aufmerksamkeit erregen und Geld für weitere WM-Tickets und seine Rückreise sammeln.

In den sozialen Netzwerken: Offener Rassismus neben Deutschtümelei

Möglicherweise wollte er das tatsächlich. Zur gleichen Zeit waren in den sozialen Netzwerken offener Rassismus und deutschtümelnde Kommentare zu beobachten. „Alter, gegen eine Mannschaft verlieren wo sich niemand ein Ball leisten kann“, schreibt ein User zum zwischenzeitlichen Rückstand der deutschen Mannschaft. Das sollte lustig sein, weil Ghana arm ist. Das kolonialrassistische Klischee teilen 53 andere Benutzer, 221 weitere favorisieren es.

Vielfach liest man den Begriff „Bimbo“ oder Sklaverei-Anspielungen, noch öfter vermuten Nutzer, dass die Deutschen wegen ihrer dunkelhäutigen Gegenspieler bald „schwarz sehen“ würden. Den Gipfel erreicht ein einzelner Tweet, den den Spielern von Ghana wünschte, sie mögen „mitten auf dem Spielfeld an AIDS“ sterben.

Seine Verfasserin bekommt Beleidigungen und Morddrohungen, sie entschuldigt sich später bei Facebook für ihre „unbedachte Äußerung“. Der Fankulturforscher Gunter A. Pilz, der beim DFB die Arbeitsgruppe Fair Play leitet, sieht in solchen Entgleisungen noch keine problematische Tendenz, wobei jede einzelne aber „eine zu viel“ sei.

Fankulturforscher: Jede Entgleisung ist eine zu viel – wegen des Mitläufer*innen-Effekts

Pilz warnt davor, übergriffige Äußerungen unreflektiert stehen zu lassen. „Wir müssen wachsam sein und überlegen, wie unsere Begeisterung für Fußball und die deutsche Nationalmannschaft keine Bühne für Nationalismus oder Rassismus darstellt“, sagt er im Gespräch. Der deutsche „Party-Patriotismus“ sei nicht per se gefährlich, laufe aber Gefahr, instrumentalisiert zu werden. Jeder müsse sich deshalb gewahr sein, dass andere Gesinnungen dankbar und unauffällig an den Patriotismus der Massen andocken. …“ Gesamter Beitrag

Zivilcourage in der M10

Wir hatten ganz schön gebechert. Jedes Verantwortungsgefühl für sich selber und für Andere hatte sich im Rausch verflüchtigt. Wir waren laut und fühlten uns stark. Da war nur noch 3 Stationen mit der M10, der nächtlichen Partystraßenbahn im Prenzlauer Berg.

Wie immer um diese Zeit, war sie brechend voll, voller alkoholisierter Menschen und einigen wenigen ruhigen Fahrgästen am Rand. Zwei mit Kopftuch bedeckte Mädchen wurden plötzlich lautstark von einigen Prolls ganz fies sexistisch und rassistisch angemacht. „Islamistenhure“ war noch das Harmloseste, war uns zu Ohren kam. Kraft unserer Wassersuppe und auch in unserer eigenen Feierlaune gestört, mischten wir uns ein.

Mutig und unerschrocken schrien wir auf den Rassistenmob ein. So viel Mut hatten wir uns gar nicht mehr und schon gar nicht in diesem Zustand, zugetraut. Nach anfänglichen Zurückgepöppele der Nazis (wir nennen sie mal Nazis, da ihre Beschimpfungen genau dem Duktus der Nazis entsprach) kuschten sie plötzlich, wurden still und trollten sich in den hinteren Teil der Bahn.

Die Umstehenden waren auch alle sehr still geworden. Wir glaubten, die Situation meisterlich gerettet zu haben und glorifizierten noch schnell die Kraft der Zivilcourage.

Als mein Kumpel beim Aussteigen nochmal zurück zur Bahn schaute, bemerkte er einen riesen großen Rastamann, der während des Disputes hinter uns gestanden haben muss, als er sich eine Waffe gerade wieder in seine Hose steckte. Sofort waren wir ziemlich ernüchtert, ob der Waffe  des Rastermannes.

Unserem energischen und verbalen Eingreifen war der Rückzug der Nazis wahrscheinlich nicht geschuldet, allein der große Mann hinter uns hatte die eindeutigeren Argumente.

Ob wir uns auch weiterhin und dann noch im Suff bei solcher Art von Auseinandersetzungen einmischen werden, entscheidet wahrscheinlich die Tagesform. Vielleicht würden wir uns ganz aktiv sofort dann Hilfe von anderen Fahrgästen einfordern. Eventuell ist dann auch wieder ein Rastermann auf einer nächtlichen Fahrt mit der M10 dabei.