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Ins Wasser gefallen: The German Tanks in Wembley

In London soll das Wetter ja toll gewesen sein. Das Jahrhundert-Finale mit deutschen Truppen, äh Gruppen, auf englischem Boden hatte Kaiserwetter. Nur dahoim sollten die vielfach aufgebauten Publicviewing Areale in Schlamm und Modder versinken. Kein Mai-(Sommer-)Märchen mit fahnenschwenkenen Deutsch-Nationalen gab es im Land der Teutonen zu sehen, die das deutsche Fußballwunder gebührend feiern.  Nur Bilder aus verräucherten Kneipen, übervollen Pinten und leeren, verregneten Plätzen mit lallenden und gröhlenden Fans sollten von der Heimatfront auf die Insel schwappen.

Dass der vorbestrafte Bayern-Präsident Hoeness mit der Kanzlerin herzte, war ja noch zu verschmerzen, aber wo waren Vertreter*innen des britischen Königshauses, um ihre Verehrung dem geliebten Feind zu übermitteln, niemand da in Wembley beim Sieg einer deutschen Mannschaft im CL-Finale. Auch war das Feuerwerk ja eher dürftig. Kein Lametta in Rot/Weiss auf dem heiligen Rasen, da war ja mehr los in Amsterdam beim EL-Finale zwischen Chelsea und Benfica.

Bei aller Klasse im Spiel, jetzt wird wieder der eklige Beigeschmack der Unbesiegbarkeit der Deutschen die Sportartikel vollmüllen, die Überheblichkeit von Überlegenheit und Qualitätsanspruch der Deutschen gegenüber der Welt die Leitartikel bestimmen. Gerade die Bayern verkörpern die penetrante Arroganz, die bigotte Borniertheit und die elitäre Abgehobenheit, die den Deutschen mit Recht nachgesagt wird. So werden wir niemanden auf Augenhöhe treffen, um mit ihnen die Zukunft zu planen, von ihnen zu lernen und mit ihnen gemeinsam in Gleichberechtigung zu leben.

Dass genau diese Eigenschaften, die der europäische Champion von 2013 verkörpert, auch ganz viele in Deutschland ankotzt, gibt Hoffnung. Der Hassverein Bayern München mit seinem abstoßenden Habitus wird die Herzen reflektierter und solidarischer Menschen nie erreichen.

Turbine Potsdam ist Fußball-Vizepokalsieger

…und Vizemeister und wieder wird es so richtig kaum jemand interessieren. Dabei ist Potsdam eines der erfolgreichsten Fußballclubs Deutschlands mit diversen Meistertitel, Pokalen und Europacups. Sie haben alles gewonnen, was man im Fußball gewinnen kann, doch kaum jemand bemerkt es. Sogar der Kommentator des DFB-Pokalendspiels in der ARD sah Turbine eher als Sparringspartner des Pokalsiegers Wolfsburg, die sich mit viel Geld des Volkswagenkonzerns eine Mannschaft zusammen gekauft haben. Ähnlich wie Hoffenheim und Chelsea bei den Männern.

Turbine hat ihr Trainingszentrum in meiner Heimatgegend Potsdam-Waldstadt und ein ehemaliger Klassenkamerad war Spieler beim Verein. Die Trophäen schleppten schon damals die Frauen an. Trainer Bernd Schröder, eines der dienstältesten Fußballtrainer der Welt, hat hier über Jahrzehnte nicht nur ausgezeichnete Nachwuchsarbeit gemacht und Weltstars geformt, sondern auch für alle im Westen überraschend weiterhin Erfolge und Titel eingefahren.

Ich bin froh, als Fußballfan eine Heimatstadt eines Champions League-Siegers zu haben und stolz, das hier der Ostfußball einen würdigen Spitzenvertreter auf Dauer besitzt.

Ich kenne keinen, den das hier wirklich interessieren könnte

Fakten zum Europa-League-Finale Benfica-Chelsea gestern in der Amsterdam Arena

– Beide Mannschaften haben schon europäische Titel: Benfica den letzten 1965, Chelsea den Gewinn der Champions League 2012 und einen Cup im Pokalsiegerwettbewerb, der mittlerweile schon eingestellt wurde.

– die ersten beiden Tor fielen zu Zeitpunkten, als die gegnerische Mannschaft ein Übergewicht hatte, das letzte war eine Standartsituation in der Nachspielzeit: Ecke,Kopfball,Tor

– Lissabon hatte frühzeitig schon 3 Auswechslungen gehabt und hätte bei einer Verlängerung keine Reserven mehr gehabt, London wechselte gar nicht aus.

– Mit dem Spiel wurde Geschichte geschrieben: Benfica ist die Mannschaft, die 7 Finals hintereinander verloren hat und fast fünfzig Jahre auf einen europäischen Titel wartet. So viel Pech hatte keine Mannschaft in Europa in den letzten Jahren.

– Chelsea hat mit dem Gewinn der Euroleague alle drei Wettbewerbe irgendwann mal gewonnen, das glückte vorher nur Juventus, Ajax und Bayern.

– Chelsea ist die erste Mannschaft, die, zumindest für 10 Tage, beide verfügbaren europäischen Titel inne hat und ist die erste Mannschaft, die als Champions League-Gewinnerin zunächst aus der Gruppenphase geflogen ist, um dann anschließend in der Euroleague bis zum Finale durchzumarschieren und es  zu gewinnen.

– Der Trainer von Chelsea Benitez hat die Einmaligkeit geschafft, hintereinander die aktuellen europäischen Titel zu gewinnen und er ist neben Lattek der einzige Trainer, der mit 3 verschiedenen Clubs die Euroleague/Uefa-Cup gewinnt (Valencia, Liverpool, Chelsea).

– Benfica Lissabon-Chelsea London 1:2

Sorry aber: Daumendrücken für ein deutsches CL-Finale

Eigentlich, aber nur eigentlich finde ich überhaupt nichts am Nationalstolz. Ich empfinde Nationen als ein Konstrukt, das geschaffen worden ist, damit über Menschen Macht ausgeübt werden kann, ein typisches Herrschaftsinstrument. Die aus dem nationalen Anspruch entwickelten Handlungen sind einem friedlichen und respektvollen Zusammenleben von Menschen sicher nicht förderlich. Aus ihnen entwickelte sich Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Kriege, Tod und Elend. Dennoch taugen nationale Symbole als Identifikationselemente und sind gerade bei Brot und Spiele multifunktional einsetzbar. Eines der Symbole wird über den Sport, besonders über den Fußball generiert. So haben Nationalmannschaft und Clubs eine Faszination erreicht, die auch für nicht so national denkenden Menschen ein Hort für gemeinsames Erleben werden können und bei breiten Schichten der Bevölkerung quer durch alle sozialen Schichten, Emotionen freisetzt. So auch bei mir. Nun hab ich das Privileg, kein richtiger Fan von irgendeiner Mannschaft zu sein, auch geht mir die Nationalmannschaft am Arsch vorbei. Dass aber zwei Bundesliga-Clubs derzeit im Halbfinale der Champions League stehen und dort gegen die Topteams aus Spanien für Furore sorgen, freut mich außerordentlich. Was Bayern München und auch Borussia Dortmund international so reißen, nötigt mir Respekt ab. Meine Einschätzungen zum Fußball ordnen sich nicht meinen sonst üblichen politischen Duktus unter. Ich sehe die Spiele und blende die politischen Dimensionen aus, sehe nicht die Ungerechtigkeiten, die Korruptionen, die große Geldmaschine Bundesliga oder andere Verfehlungen. Für mich soll der Sport toll bleiben und nicht so kritisch gesehen werden. Vielleicht ist das kein linker Zugang, aber so ist das eben. Wenn Bayern und Dortmund Barcelona und Real Madrid wegfegen und es zu einem deutschen Finale in der CL kommt, zeugt das von der spielerischen und taktischen Klasse der deutschen Mannschaften, vom wachsenden Renommee der Bundesliga im Wettbewerb mit der englischen, spanischen und italienischen Liga. Und das geht mir eben nicht am Arsch vorbei. Warum? Weiß ich auch nicht. Rational ist das nicht zu erklären. deswegen werde ich auch als Linker und als jemand, dem sonst das Nationale nicht wichtig ist, für die deutschen Mannschaften die Daumen drücken.