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Warum müssen wir soviel Polizeigewalt aushalten? Das kotzt mich an!

Da sitze ich manches Mal bei Twitter und beobachte die Tweeds über Polizeigewalt bei Demonstrationen. Immer wieder kehrt ein Gefühl der Ohnmacht ein, nachdem ich unheimlich wütend werde. DAS IST ZUM KOTZEN!

Natürlich habe ich schon Gewalt der Staatsmacht erlebt. In Dresden bei einer Antinazidemo wurde mir mit einem Schlagstock auf die Hand geschlagen, entfesselte Polizisten versuchten hier und auch später in Berlin bei einer anderen Demo immer wieder Menschen zu verletzen.

Dieser Wahn ist sicher eine besondere psychologische Situation. Aber von Selbstverteidigung kann man aus der Sicht des hochgerüsteten und brutalen Bullen sicher nicht reden. Es ist die Aura der Macht und der Sadismus, der sich bei diesem Job festgesetzt haben muss. Der Rechtsstaat lässt diese Angriffe auf das Wohl und die Versehrtheit von Menschen zu. Die Polizei kann das immer so interpretieren, dass sie nie einer Strafverfolgung ausgesetzt wird. Die Staatsgewalt hat das Recht auf ihrer Seite und nutzt dieses Privileg schamlos aus.

Bei meiner Schule macht ein angehender Polizist sein Praktikum. Unsere Diskussionen sind durchaus kontrovers. Ich kann bis heute nicht ganz verstehen, wie man sich zu so einem Job melden kann. Ich will es auch nicht verstehen. Ich jedenfalls könnte nicht ruhig schlafen, nachdem ich mit ungleichen Mitteln ein paar Demonstranten zusammen geschlagen habe. Moralisch und ethisch ist das nicht.

Aber irgendwer muss es ja machen. Und es gibt ja auch nicht die Bullen. Aber die Einsätze bei Demonstrationen sprechen eine widerliche Sprache. Natürlich sind sie nur Befehlsempfänger aber ich wünsche ihnen trotzdem quälende Gewissensbisse und habe überhaupt kein Mitleid.

Sie sind zu Recht ein Feindbild bei Vielen, weil sie einen repressiven Staat und sein Gewaltmonopol repräsentieren, weil sie Unterdrückung, Sadismus und Brutalität transportieren, wie kaum eine andere Institution. Die Politik ist, wie immer, in der Verantwortung, mit diesem Mittel behutsam umzugehen und es nicht gegen die eigene Bevölkerung anzuwenden. Denn das unterscheidet uns auch von der Diktatur.

(Beispiel Hamburg 21.12.2013: Chronologie der Polizeigewalt)

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1. Mai 1973

Ich war ja noch Jungpionier mit einem blauen Halstuch an der Schwelle zum Thälmannpionier mit einem roten Halstuch. Natürlich war die zentrale Mai-Demonstration angesagt. Aber unser Meerschweinchen, das beim laufen immer Haken schlug und ein schwarzes und ein braunes Bein hatte, lag an diesem bedeutungsschwangeren Tag leblos im Terrarium. Mein ältester Bruder heulte Rotzblasen, selten habe ich ihn so emotional gesehen. Das Schwein sollte am Nachmittag eine standesgemäße Beerdigung bekommen. Doch bis dahin wurde es eingewickelt auf dem Balkon gelagert. Als die Tränen getrocknet waren, machten wir uns auf dem Weg in die Innenstadt. Die Taktik war, sich kurz beim Lehrerkollegium zu zeigen und dann gleich den Fisch zu machen, da wir keine Lust auf Winkelemente und Freude zur Schau stellen hatten, so wie es sonst am 1. Mai üblich war. Wir wollten schnell unserer Wege gehen und selbst entscheiden, was wir mit diesen unterrichtsfreien Tag anfangen wollen. Favorit war oft die Lobby des Interhotels, dort lief im Farbfernseher immer die Maiparade von der Karl-Marx-Allee, außerdem fühlten wir uns wie Männer von Welt. Dann stromerten wir noch durch die Gegend und hatten viel Spaß. Aber da war ja noch die Beerdigung. Ein Pflichttermin, der die positive Grundstimmung an diesen Tag nicht trüben konnte. Es war Frühling und wir waren Kinder…