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Verlogene Emanze

Sie hat ja viel für die Frauenbewegung getan. Hat das Patriarchat aufgebrochen, hat Diskurse entfacht, die für eine gerechtere Gesellschaft notwendig waren. hat gestritten und gekämpft, ist für viele Frauen in ihrer Emanzipation Vorbild geworden. Noch heute wird sie ikonenhaft verehrt.

Doch irgendwann wurde ihr Auftreten militant, sie wurde ungerecht, selbstherrlich und selbstverliebt, dogmatisch und diskriminierend, erging sich in zunehmender medialen Prostitution. Den Interessen der meisten Frauen wurde sie schon lange nicht mehr gerecht. Sie nervte mit egomanischen und rückwärtsgewandten Parolen und umstrittenen Kampagnen. Spielte sich aber immer als moralische Instanz auf. Das Wechselspiel mit den Medien verstand sie, wie keine Andere. Einerseits benutze sie sie für ihre Zwecke und zum Geldverdienen und anderseits verteufelte sie sie und sah überall Verschwörung.

Wie jetzt wieder nach ihrem Steuerbetrug. nachdem sie genug Geld zur Seite gebracht hatte, sich dann cleverer Weise erst dann selbst anzeigte, um auf das verjährte Vermögen nicht verzichten zu müssen. Sie hätte einfach ihre Klappe halten müssen, aber nein, ihre Verteidigung war umso peinlicher und zeigte doch ihr wahres Gesicht, ein Gesicht, verlogen, in ihrem Kosmos verloren, ihren Jüngern entrückt.

Sie hat zum verhassten Patriarchat aufgeschlossen, hat Geschichte der Emanzipation einen unglaubwürdigen Duktus verpasst und hat Generationen von Frauen aufs Übelste verraten. Das bleibt, bei aller Wertschätzung früherer Verdienste, von dieser deutschen Biographie übrig. Die neue selbstbewusste Frauengeneration tut gut daran, nicht unbedingt in Verbindung mit Alice Schwarzer gebracht zu werden.

Von der Praxis zur Theorie

Immer wieder schwirren Begriffe wie Hierarchiefreiheit, Anarchie, libertäre Freiheit, Selbstermächtigung und -bestimmung oder Emanzipation umher. Nun gibt es viel Literatur und im Netz finden sich seitenweise Erklärungen. Ich gehe mal davon aus, dass die wenigsten Menschen, die sich darum Gedanken gemacht haben, auch nur ansatzweise nach diesen Theorien leben können. Es bleibt oft verdorrende Theorie.

Das ist eigentlich schade, denn wenn man soviel Schlaues einfach nicht leben kann, ist das doch nur frustrierend. Ich weiß von diesen Begriffen nicht soviel, mir sind die Definitionen nicht geläufig. Ein Freund sagte mir letztens, dass ich aber so einiges davon verstanden hätte und es sofort als Lebensstil etabliert habe. Durch Gespräche mit anderen hatte ich wenigstens die Möglichkeit der Einordnung der Begriffe. Mir wurde und wird immer mehr bewusst, wie sehr mir Unterordnung, Hierarchien, Gleichförmigkeit, Uniformität und Fremdbestimmung fremd sind. Und wie sehr ich anders lebe.

Das zeigt sich auch an meinem Mangel an Pflichtbewusstsein. Motivation und Lust bestimmen mein Handeln. Auch im Job. Für Kinder in einer Schule zu kochen und sich dabei an keine Speisepläne halten zu müssen, ist ebenfalls ein Ausdruck dieser kreativen Lebensführung.

Nach und nach lese ich jetzt mal nach, welche Begriffe und Philosophien auf eine so geartete Lebenseinstellung passen. Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft den Menschen viel mehr Möglichkeiten gibt, ein rundum selbsterfülltes Leben führen zu können und dass das kein Privileg der Eliten bleibt. Dafür muss aber auch der Weg von der Theorie in die Praxis schneller gehen.

Prügelstrafe auf dem Laufsteg

Die Abschlussfete der Schülerinnen der Mode- und Disignausbildung im Ballhaus Rixdorf sollte auch noch unter der strengen Kontrolle von zu züchtenden Lehrern stehen und sich in einer Reihe von unzeitgemäßen Unterrichtsmethoden von Hobbysadisten innerhalb der jetzt beendeten 2-jährigen Ausbildung befinden.

Die Reglementierung der Mädchen fand bei der Feier ihren unwürdigen Höhepunkt, indem Lehrer den Erwachsenden rauchen und Trinken verbieten wollten und gesagt wurde, wie man sich gegenüber den zahlreich erschienenen Gästen zu verhalten hat. In unwürdiger 1950-Jahre Manier wurden die jungen angehenden Modedesignerinnen psychisch gezüchtigt, dass man als Gast nur an einer Inszenierung dachte, aber nicht wirklich wahr haben wollte, dass das ernst gemeint war. Wie diese Ausbildung streng und knapp unter der Prügelstrafe dann vollzogen wurde, konnte ich nur fragmentiert von Erlebnisberichten der Betroffenen erfahren.

Die Modenschau, die die Arbeit der Mädchen von 2 Jahren Ausbildung widerspiegeln sollte, war dann auch, geschuldet dem engen Themenkorsett und der harten Auflagen der Lehrer, erzkonservativ und, wie ein Gast treffend bemerkte, reaktionär. Keine Kreativität, keine Lebensfreude, kaum Farben, Produkte dieser ansonsten so lustigen Truppe könnten auch anders aussehen.

Vielleicht habe ich aber auch die Intention des Modebetriebes im Allgemeinen und die Aussage dieser Modenschau im Ballhaus im Besonderen nicht verstanden. Ich hoffe nur, dass sich die modeinteressierten Frauen jetzt befreien und die als Handwerk gelernten Künste zur kreativen Offenbarung führen und uns alle überraschen.

Energie-Volksbegehren: „Komm Mausi, Vattenfall is jut“

Mausi hätte auf ihren Alten nicht hören sollen. Dann hätte sie sich sicher besser gefühlt. Nicht nur wegen der guten Entscheidung, beim Energie-Volksbegehren unterschrieben zu haben und damit die Energieversorgung eben nicht Vattenfall überlassen zu haben.

Es wäre auch ein Beitrag ihrer eigenen Emanzipation gewesen. Sie hatte die Chance, sich gegenüber ihrem Alten endlich mal durchzusetzen und eigenen Willen zu zeigen. Ihr Interesse am Thema bei einer der ungezählten Sammelaktionen zum Volksbegehren war ein erstes Signal für ihr eigenständiges Denken.

Noch konnte ihr Mann diesem Prozess Einhalt gebieten, noch war seine Herrschaft über sie groß genug, um sie von einer Unterschrift abzuhalten.

Beim nächsten Mal wird sie vielleicht protestieren. Und beim Mal darauf sich gegenüber ihm durchsetzen. Zu wünschen wäre es den Beiden, da auch er von einer selbstbewussteren Frau profitieren würde und damit die Chance erhält, sich selbst zu verändern.