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DFB-Team: Respekt versenkt im Ballermannfieber

Ich habe mich schon gefreut. Über eine Mannschaft, die irgendwie verdient Weltmeister geworden ist. Die so spielerisch stark ist und auch respektvoll mit den Gegnern nach den Spielen umgegangen ist. Die Erziehung von Löw trug, so war der Eindruck, Früchte. Understatement war angesagt. Für die Fans kann man ja nichts.

Als dann aber der Empfang der Sieger in Berlin ihren Lauf nahm, wich der Freude zunehmend ein befremdliches Unbehagen. Ich mache ja die Fan-Attitüden sowieso nicht mit. Aber was hier wie eine Propagandaveranstaltung der deutschen Industrie daherkommt, hat ja mit Sport und sportlichen Erfolgen nichts mehr zu tun. Das war unterste Niveau-Schublade, da wird der typische Deutsche, der Ballermanndeutsche bedient. Jetzt weiß ich noch mehr, warum mir das alles drumherum eher abstößt.

Als sich Teile der Nationalmannschaft herab ließen und auf sehr unwürdige Art und Weise ihre letzten Gegner verhöhnten, wusste ich, dass jetzt der wahre Charakter der spätpupertierenden Jungschnösels durchbricht. Die sollten Fußball spielen und ansonsten doch lieber ihre Fresse halten. Damit haben sie den erworbenen Respekt innerhalb von Minuten im dusseligen und fanatischen  Siegerwahn versenkt.

Wer die Choreographie dieser widerlichen Show am Brandenburger Tor verzapft hat, sollte sich schämen, damit eine Visitenkarte der Deutschen für die Welt abgegeben zu haben.

SO WILL ICH NICHT FEIERN!!

Nur ein Spiel #brager

„Wird eine Fußballweltmeisterschaft vom Radio übertragen, deren jeweiligen Stand die gesamte Bevölkerung aus allen Fenstern und durch die dünnen Wände der Neubauten hindurch zur Kenntnis zu nehmen gezwungen ist, so mögen selbst spektakulär verschlampte Gammler und wohlsituierte Bürger in ihren Sakkos einträchtig um Kofferradios auf dem Bürgersteig sich scharen. Für zwei Stunden schweißt der große Anlass die gesteuerte und kommerzialisierte Solidarität der Fußballinteressenten zur Volksgemeinschaft zusammen. Der kaum verdeckte Nationalismus solcher scheinbar unpolitischen Anlässe von Integration verstärkt den Verdacht ihres destruktiven Wesens.“

(Theodor W. Adorno)

Die ganze Nation in Trauer, Depression macht sich breit, Unruhen werden wieder entfacht werden, von diesem Schock wird sich das Land nicht mehr erholen, Implosion des ganzen Landes, von den Deutschen kaltblütig vorgeführt und gedemütigt….was für ein Bullshit.

Es war nur ein Spiel und Brasilien hat eben, zwar hoch, aber nur verloren. Davon geht die Welt nicht unter. Welchen Einfluss hat denn eine Nationalmannschaft auf die Gefühlslage eines Volkes? Warum wird alles Leid und Erfolg an ein paar überbezahlten Kicker festgemacht, den ganze Stolz und das Ungemach sollen diese Fußballer bestimmen?

Ist denn Spanien nach dem Gewinn der Welt- und Europameisterschaften besser geworden? Hat es das Land aus der Krise geführt, ist die Jugendarbeitslosigkeit halbiert worden, hat sich ihre  Mentalität und ihr Selbstverständnis verbessert? Und jetzt, wo sie raus geflogen sind, ist das jetzt schlecht für die Nation?

Ist Deutschland, weil sie gerade jetzt ein paar gute Kicker hat und einen intelligenten Trainer, jetzt ein besseres Volk, gar ein überlegendes? Braucht es diesen Titel, um ihre wirtschaftliche Dominanz zu unterfüttern, dann auch noch „über alles“ singen zu können?

Sind die Niederländer als Volk arrogant, weil ihre Nationalmannschaft so spielt? Brauchen sie für ihren Minderwertigkeitskomplex einen WM-Sieg?

Gönnen wir einer afrikanischen Mannschaft auch mal Erfolg, weil es dem armen und gebeutelten Kontinent so gut tun würde? Und würde es irgendein Elend verschwinden machen?

Kolumbien habe ich ja nicht das Weiterkommen gegönnt, weil sie noch nie dran waren oder weil es dem ramponierten Image des Landes gut tun würde. Nein, ich habe es Kolumbien gewünscht, weil es einfach geil spielt.

Ich hoffe auf die Deutschen, nicht weil es mein Land ist und ich soviel Stolz brauche, um im Leben zurecht zu kommen, sondern weil sie ebenfalls geil spielen können. Und diese Spielweise hat es aus meiner Sicht verdient, erfolgreich zu sein.

Die WM hat einen Hänger

Irgendwann nach den ersten Vorrundenspielen und noch vor der Ko-Runde hängt die WM von der Spannung her immer etwas durch. Die ersten Überraschungen sind verkraftet und man hat sich auf die Achtelfinalmannschaften eingestellt.

Manche Mannschaften gestalten das Ende doch noch offen, so dass man die 3. Runde der Gruppenspiele doch noch ab und zu verfolgen kann. Aber mit der Kondition von Spiele gucken ist das auch so eine Sache.

Man dürfte einfach nicht so viel Anderes machen und sich voll auf Fußball konzentrieren. Aber soviel ist mir der Fußball auch nicht wert. So muss man sehen, dass wieder eine Grundspannung aufgebaut wird, damit das Ereignis WM auch ein Ereignis bleibt.

Mit England, Spanien, fast Portugal und Italien sind schon einige Mannschaften fast auf der heimreise, die ich noch gerne länger gesehen hätte. Mit Chile und Uruguay sind aber auch ganz coole noch dabei.

Ich werde meine Müdigkeit überwinden und noch ein paar Spiele sehen, denn Überraschungen gibt es ja zu genüge.

Schlechter Tag: Schwarz-Rot-Gold-Phobie

Der Balkon schräg unter meinem ist sowas von geschmückt, dass mir immer sofort einfällt, ob man den Mietern, die sich so konsequent national schmücken und ihren Balkon so umfangreich in Deutschlandfarben packen, ganz kräftig ins Resthirn geschissen hat. Wer kommt denn auf so was und warum greift das so um sich? Sind wirklich so viele Menschen um mich rum so bescheuert?

Nun hilft ja Beschimpfung meiner Nachbarn irgendwie nicht. Ich komme da echt nicht weiter. Man kann ja nicht alles verstehen. Aber ich will es verstehen können und will vor allen Dingen wissen, warum ich soviel dagegen habe. Ich weiß es nämlich nicht.

Mich hat es nicht gestört, dass damals, als ich noch in Irland gearbeitet habe, die Iren auch viel beflaggt haben und auch nationale Tänze aufgeführt haben. Ich fand es ok, dass Briten sich so voll der Königin ergeben und ihren Union-Jack verehren. Bei der deutschen Fahne habe ich kein Verständnis. Ich bin auch nicht Stolz, Deutscher zu sein, war ich nie. Das soll auch so bleiben.

Ich werde die Deutschtümmelei meiden und mich aber mit Beschimpfungen zurück halten. Das mache ich der friedlichen Koexistenz unter Nachbarn wegen.

Hoffentlich fliegen die früh raus, wegen meiner Phobie…

FUSSBALL IST DER GRÖSSTE SCHEISS!

„Zuerst muss ich gestehen, dass ich auch ab und zu gerne mit meinen Freunden ein wenig Fußball spiele, also gegen den Akt als Betätigung überhaupt nichts einzuwenden habe. Was ich vielmehr zum Kotzen finde, sind die ganzen Typen, die nur Fußball schauen und von nichts anderem mehr reden. Damit meine ich nicht die Dorfalkoholiker, die bei jedem Sonntagskick am Sportplatz den Schiri am liebsten abstechen würden, meist aber schon in der Artikulation selbiger Intention klaglos scheitern. Vielmehr meine ich diese aufgeblasenen Vorzeigemetros und ihre Anhängerschaft. Hier ein paar Gründe, warum ich Fußball aus tiefstem Herzen hasse.

Anscheinend ist es cool geworden, Fußball zu mögen

WTF? Wie ist das passiert? Vielleicht wegen dieses englischen Chavs, der es tatsächlich geschafft hat, dass sehr viele Männer vor einigen Jahren solche Frisuren und Ohrringe trugen.

Vielleicht aber auch, weil es wirklich scheißeinfach ist, einen Ball zu treten. Du kannst jedem Kind einen Ball hinlegen und es kann, wenn es bereits gehen kann, mit dem Fuß draufkicken. Dieses Gefühl scheint viele Menschen glauben zu lassen, dass sie bei den Profis mitspielen könnten und natürlich auch alles besser machen würden. Aber was mich wirklich ärgert, ist, dass du plötzlich selbst unter den Außenseitern der Außenseiter bist, wenn du dich nicht für die WM, Champions League oder ähnlichen Dreck interessierst. Was ist aus den Zeiten geworden, wo Jocks noch Jocks, die coolen Kids noch Slacker und die Fußballer noch idiotische, vorstädtische, unterschichtige Männer mit ungestutzten Schnauzern waren?“ hier gehts weiter….

„Der damit verbundene Patriotismus

Damit meine ich nicht nur die offensichtlichen Deutschlandflaggen, die von Häuserwänden hängen und einem gepaart mit den im Chor geschrieenen, oft nationalistischen Sprüchen natürlich auch die Kotze hochkommen lässt. Was mich im Alltagsleben aber fast noch mehr nervt, ist das klassische „Gestern homma gwunna“. Ah, „wir“ haben also gewonnen. Und was genau hast du dazu beigetragen? Vor dem Fernseher Bier in dich reingeleert und so getan, als würdest du mitspielen, obwohl du in der zweiten Halbzeit aufgrund deiner buchstäblichen und metaphorischen Fett´n schon Probleme hattest, überhaupt zum Kühlschrank zu kommen? Sehr gut, ich hoffe, du hilfst „deinem“ Team nächste Woche wieder. Aber bitte erzähl mir dann nichts mehr darüber.“

Meine Favoriten (2)

Italien: Die sind ja immer im Favoritenkreis zu finden, weil sie eine Turniermannschaft sind. Die können jedes noch so gut erdachte Spiel zerstören. Und aus einer kontrollierten Abwehr stoßen sie mit den technisch versierten Spielern zum gegnerischen Tor. So spielt meistens eine Auswärtsmannschaft. Das machen die Italiener so perfekt, dass mit ihnen immer in einem Turnier zu rechnen ist. Und wenn es nötig ist, Druck zu machen und in die Offensive zu gehen, dann können sie auch das kurzeitig. Wie gesehen in der Verlängerung beim WM-Halbfinale gegen Deutschland, wo ihr Powerplay die Deutschen raus beförderte. Irgendwie könnte Jose Morinho die Italiener trainieren.

Argentinien: Ever meine Lieblingsmannschaft. Als noch Riquelme von Villareal ein System kreierte, das so geil war, in seinen verschiedenen Tempen, in dem kontrollierten Umschalten von Angriff auf Verteidigung und umgekehrt, einfach eine Augenweide. Leider haben sie immer wieder die Mannschaft auf eine Persönlichkeit zugeschnitten. Bei Maradona war das sehr erfolgreich. Diesmal soll alles auf Messi rauslaufen und das wird wahrscheinlich ein Fehler sein. Messi hat seinen Zenit schon überschritten, er hat auch nicht die Persönlichkeit eines absoluten Spielführers. Dennoch ist mit den Gauchos immer zu rechnen.

Portugal: Eigentlich ist es kein Topfavorit, aber dem Ronaldo-Hype muss ja irgendwie Rechnung getragen werden. Der kann eben ein Spiel entscheiden, sein aufreizendes Auftreten nötigt Respekt ab, ist aber sonst eher abtörnend. Ansonsten können die Spieler technisch gut mithalten und auch den einen oder anderen wichtigen Sieg einfahren.

Holland: Die sind zu alt oder im Umbruch, die werden nichts reißen.

Außenseiter: Das könnten doch wirklich mal afrikanische Mannschaften sein, Kamerun und die Elfenbeinküste bieten sich da an. Wenn sie ihre Scheu ablegen, wenn sie konstanter spielen, wenn sie sich an die Vorgaben der Trainer halten und wenn sie gute Tage erwischen. Wie Polen, Türkei und Südkorea wird es definitiv eine Überraschungsmannschaft geben. Vielleicht ist das auch mal eine andere amerikanische Mannschaft, das Potenzial dazu haben Viele. Sie sind auch das Salz in der Suppe und haben immer meine Sympatie.

Deutschland: Schon alleine wegen dem nationalen und nationalistischen Gehabe, dem Meer an Fahnen, dem Sieg-Gebrüll, allein den nationalen Farben bin ich dafür, dass sie in der Vorrunde rausfliegen. Das ist echt eine Quälerei und kaum zu ertragen. Aber rein fußballerisch gönne ich ihnen natürlich das Weiterkommen. Seit 2006 spielen sie auf technisch hochwertigem Niveau, man schaut ihnen gerne zu. Wir haben nicht DIE Spielerpersönlichkeit, obwohl die Mannschaft schon gereift ist. Wir können jeden schlagen aber auch Opfer eigener Fehler sein. Halbfinale ist, wie immer, drin zu mehr wird es nicht reichen. Außerdem wäre mehr auch von der Stimmung her nicht auszuhalten. In diesem Schland gibt es zu viele Schlochs.

Bei aller Fußball-Euphorie muss noch konsterniert werden, was diese WM noch so bedeutet. Sie macht mehr kaputt, als sie zusammen hält. Sie ist zu einem perversen System der FIFA und seinen geldgierigen Partner mutiert, sie zerstört Infrastrukturen, wo sie eigentlich welche entstehen lassen sollte. Sie hinterlässt Elend, Stadionruinen, verwüstete Landstriche und ein Haufen Geld für Wenige. Brot und Spiele für das Volk, um während der WM unbeliebte Gesetzte durchzuwinken, um von wirklichen Problemen abzulenken.

Und es klappt, auch bei mir….was für ein Elend…

Meine WM-Favoriten (1)

Es wird ja wieder unzählige Tipp-Gemeinschaften geben. Für die und für Andere, die sich sonst nicht so viel mit Fußball beschäftigen, können meine Empfehlungen Orientierung sein.

Brasilien: Topfavorit als Gastgeber und Rekordweltmeister. Obwohl die emotionsgeladen Unterstützung der eigenen Bevölkerung noch nicht auszumachen ist, wird sie im laufe des Turniers schon noch kommen und dann können frenetische Fans der zwölfte Mann sein. Der Gastgeber hat, wie immer, eine aus dem nicht endenden Pool an Talenten bestückte Mannnschaft geformt, die es immer drauf haben, den Titel zu holen. Man muss sie spielen lassen, darf sie nicht in ein taktisches Korsett schnüren, wenn sie sich dann in einem Rausch spielen, was anzu nehmen ist, sind sie nicht zu schlagen.

Spanien: Das Beste, was der europäische Fußball derzeit hat, kommt aus Spanien. Die Liga hat alles international abgeräumt, was möglich war (Madrider GL-Finale, EL-Sieger: Sevilla) und die spanischen Spieler haben so eine Siegermentalität, aus denen sie ihr Selbstvertrauen an einem Titel ziehen. Spanien ist mit ihrem System wegweisend, sie machen nicht den Fehler der Franzosen, die nach WM- und EM-Titel Opfer ihrer eigenen Arroganz wurden. Die Qualität der Spanier ist nachhaltig.

England: Bei den Buchmachern stehen sie ganz oben. Vielleicht haben sie es verdient, immerhin zählen sie immer zu den großen Fußballnationen. Spielerisch muss da aber mehr kommen. Wenn sie mit mentaler Stärke ein Elfmeterschießen im Viertelfinale überstehen, ist das Halbfinale mal drin.

Fortsetzung folgt…