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Tortour de France

Der Text spiegelt eine emotionale Einstellung wieder, wie sie mir bei und nach einem Frankreichbesuch begegnete. In einer Art von Aufarbeitung sind diese ungerechten und verallgemeinerten Sätze entstanden. Dafür möchte ich mich schon vorab bei allen Franzosen entschuldigen. Den Text möchte ich aber nicht ändern, weil er zeigt, dass auch ich nicht völlig frei von Ressentiments bin und ein kleines Stück Rassismus auch in mir steckt. So bleibt der Text authentisch. Also her mit den Protesten und dem korrekten Weltverständnis!

Wenn mir, wie so oft, jemand erzählt, Frankreich wäre ein so gastfreundliches Land mit so vielen netten Menschen, denke ich immer, in welchem Land war ich eigentlich damals?

Arroganz, Borniertheit, Ignoranz, Aggressivität und unglaubliche Unfreundlichkeit prägten meinen damaligen Urlaubsaufenthalt in dem so landschaftlich bezauberndem Land. Diese Menschen haben dieses Land nicht verdient.

Zunächst wurden wir ignoriert, weil wir an der Küste in der Hochsaison eine Zeltplatz suchten. Dann wurden wir verfolgt, weil wir bei einem anderen Campingplatz nach Wasser fragten, es uns verweigert wurde und der Chef etwas wie Bitch verstand, dass ich aber in meiner Beschimpfung nie sagte. Später wurden wir bedroht, weil wir in einem Feinschmeckergeschäft ein Foto gemacht haben. Er wollte das Foto unbedingt gelöscht haben und legte Hand an meine Kamera.

Der Zug zur Gewalttätigkeit ist bei den Franzosen überhaupt sehr groß. Als wir in einem Küstenrestaurant nur Wasser bestellten und den mitgebrachten Wein dort trinken wollten, packte der Kellner meinen Kumpel am Kragen, schlug ihn und warf ihn raus. Der Aufpasser auf einem sehr schönen Campingplatz, der uns schon vom geschlossenen Strand werfen ließ, konnte aber nicht verhindern, dass wir einfach illegal dort zelteten. Seinem brutalen Verhalten sind wir später gerade so entronnen.

Die Leute in den Bars, Restaurants und Cafes verstanden nichts, auch kein Englisch, sie wollten nichts verstehen. Auf einem Fest wurden wir andauernd dämlich angemacht. Kaum einer hatte ein Lächeln für uns übrig, wenige waren freundlich oder hatten wenigstens einige Grundsätze der Höflichkeit für uns übrig.

Es ist kein Land zum Reisen, wenn nur die Landschaft nicht so schön wäre. In Spanien war es umgekehrt. Die Landschaft wurde hässlicher, aber dafür wurden die Leute freundlicher. Der Besitzer des Ladens, den ich ebenfalls fotografieren wollte, stelle sich sogar mit aufs Bild.

Diese nationalistischen, arroganten Franzosen sind es jedenfalls nicht, die ich in die Liste der gastfreundschaftlichen Völker mit aufnehme. Und ob ich jemals nochmal hinfahren werde, weiß ich noch nicht. Wenn dann nur ohne Fremdkontakt.

Verschollen im Berberdorf

DSC_0056Bei meiner letzten Reise, die mich mit zwei ganz lieben Freunden, nach Südmarokko führte, war das einschneidenste Erlebnis die Begegnung mit einer arabisch-berberischen Familie und das Genießen ihrer Gastfreundschaft in ihrem Haus. Nach etwa 8 Stunden Busfahrt von Agadir in Richtung Zagora kam ich mit einen jungen hübschen Mann ins Gespräch und er lud uns in sein Haus ein. Nourddine war so gar nicht auf ein Geschäft aus, das man sicher mit ausländischen Touristen machen kann. Er reagierte nur auf meine ausführlichen Schilderungen unserer bisherigen Reise und auf das offene Zeitfenster, dass wir mit der noch nicht geplanten Wüstentour hatten. Jedenfalls befanden nwir uns eine Stunde später in fast völliger Dunkelheit in einem vermeintlichen Dorf auf dem Weg zu seinem Haus. Wir hatten uns in die Hände dieses gut Deutsch sprechenden Jungen gegeben und waren voller Erwartungen, was so alles auf uns zu kommen könnte. Allein das Haus war ein Ereignis. Nach außen hatte es keine Fenster, nach innen zwei Höfe und die einzelnen Zimmer. Ein sehr gemütlicher Raum, ausgelegt mit Teppichen und Kissen empfing uns zunächst. Nourdinne dürfte, da sein Vater außer Haus war, den Tee zeremonieren. Immer der älteste männliche Bewohner des Hauses hat dieses Vorrecht. Und dieses Ritual ist so entspannend, genau das Richtige nach unserer Fahrt. Eine riesige Portion Cous Cous verwöhnte uns und ließ uns schnell vertraut werden. Wir lernten noch die anderen männlichen Mitglieder der Familie kennen und fielen müde und gesättigt mit vielen neuen Eindrücken auf die Decken zu schlafen. Dass ich die wundervolle Begegnung mit Nourdinne nicht bereut habe, sollten die nächsten unvergessenen Tage hier im Süden noch zeigen.