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Geburtstage

Irgendetwas muss man ja zu feiern haben. Auch wenn da gar nichts zu feiern ist. Man wird ja nicht an einem Tag älter, man wird sich das nur bewusst und das ist nicht zu feiern. Weil es die Konventionen so vorschreiben und man Anlässe zum Treffen und Feiern benötigt, macht man so einen Aufstand um diese Geburtstage. Für was man auch immer beglückwünscht wird…

Mein 5ter sollte ich in einer Kur zum Aufpäppeln meiner damals noch sehr schmächtigen Figur feiern. ich war in der Marichenkäfergruppe, bekam Blümchen und einen Kuchen, man sang für mich. Schon damals war es mir unangenehm, auf Grund eines solchen Tages im Mittelpunkt stehen zu müssen.

Doch manchmal waren es echt Feiertage. Der 9te war so einer. Nach einer längeren Regenzeit kam an meinem Ehrentag die Sonne raus, wir hatten noch zusätzlich Pfingsten, saßen auf dem Balkon und ich bekam Geschenke, wie nie wieder. Zunächst eine Eisenbahn, bahnbrechend fuhr sie immer im Kreis und hielt ein halbes Jahr. Dann gab es eine Uhr mit azurblauem Ziffernblatt und einem Schweizer Uhrwerk. Ich verlor sie irgendwann und habe nur noch die Erinnerung, dass sie immer nach ging. Die echte Innovation in unseren tristen DDR-Zeiten war aber das Plaste-Federballspiel, das ich sofort mit meinem Bruder ausprobierte. Wir spielten auch am Pfingstmontag lautstark vor den Balkonen unserer Nachbarschaft, später bewarf mich Jorg mit seinem Schläger, nachdem ich ihn, wie immer, zur Weißglut brachte. Meine Mutter musste das Gemetzel leider abbrechen.

Bei meinem 19ten war ich mitten in der Grundausbildung, es wurde nicht gefeiert, ich schaffte zum wiederholten Male die Eskaladierwand, die integraler Bestandteil der Sturmbahn war, nicht. Irgendwie hatte ich fast vergessen, dass ich Geburtstag habe und das hat mir auch nicht weiter geschadet.

An meinem 30ten gingen wir Essen. ich war in Partnerschaft und in der Schweiz arbeiten. Wir ließen es krachen und dinierten im Seminaris am Aegerisee. Irgendwie war das auch ein Spiegelbild unserer spießigen Zweisamkeit damals. Ich glaube, Essen gehen war eines unserer Hauptbeschäftigungen.

Der 40te wird in einem anderen Text hier im Blog beschrieben.

 

So, jetzt ist aber fast genug mit den Huldigungen zu einem so unbedeutenden Tag, wenn nicht noch der 50te wäre und der war auch schön. Aber viel älter bin ich jetzt noch nicht, keine Angst. Ich geh dann mal einen Kakao trinken…

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Wenn ich groß bin, liebe Mutti…

„Wenn ich groß bin, liebe Mutti…würd ich alles für Dich tun, denn dann haben Deine Hände endlich Zeit zum auszuruhn. “ (Kinderlied von 1966) Nun bin ich groß und Du bist tot. Was für eine Tragödie. Am Ende wäre es wahrscheinlich doch nicht so gekommen.

Deine letzten Jahre verbrachtest Du oft alleine oder mit Deinem kleinen Freundeskreis. Natürlich waren Deine Söhne auch präsent, aber sie hatten schon längst ihr eigenes Leben.

Der Abnabelungsprozess war zumindest bei mir lang und schmerzhaft. Partnerschaft und Auslandsaufenthalt schafften seinerzeit Fakten zur Distanzierung von der Kindheit. Aber die Jahre davor, die wir hatten, waren von so viel Herzlichkeit, Diskussionsfreude und innerer Wärme geprägt, es waren die intensivsten Jahre mit Dir.

Mehr konnte ich von Dir auch nicht erwarten, eine glückliche Kindheit und eine tolerante und offene Begleitung meiner Jugendzeit, Du bist mir niemals auf den Zünder gegangen. Bei uns, und das ist in vielen Familien nicht selbstverständlich, wurde geredet. Manchmal zuviel, davon habe ich heute noch was.

Deine großartige Menschlichkeit, Dein Eintreten für die Querdenker, Gegen-den-Strom-Schwimmer, Außenseiter und Schattenkinder war außergewöhnlich. Vielleicht warst Du auch der Außenseiter, der ständig kämpfen musste.

Vielleicht wärst Du an dieser heutigen Zeit verzweifelt. Ein Shoppingbesuch damals in Westberlin hatte Dich ordentlich überfordert. Die Reisen nach Österreich, an die Riviera oder in die Dolomiten hast Du hingegen genossen. Man hätte noch mehr machen müssen, noch mehr Zeit miteinander verbringen sollen.

Was ich besonders schätze: nie warst Du Mainstream. Außer bei Deinem Musikgeschmack. Ich kenne so viele Schlager der 70er, meine Textsicherheit schockiert mich zuweilen.

Jetzt, zu Deinem 15. Todestag und im November zu Deinem 80. Geburtstag ist es endlich Zeit, sich daran länger zu erinnern und diese Zeilen zu schreiben. Wahrscheinlich lebt viel von Dir in mir, prägt mein Denken und Handeln bis heute und es ist gut und erhabend so.

Geburtstag feiern in der Provinz

Uns Berliner (oder Randberliner) sagt man ja eine gewisse Arroganz nach. Mit Recht.Früher war alles  südlich von Michendorf für uns Sachsen und nördlich von Oranienburg wohnten die Fischköppe.

Wenn man mal in die Provinz eingeladen wird, um Geburtstag mit ehemaligen Freunden und Bekannten von früher, begegnet man den Landeiern eher mit einer patzigen Geringschätzigkeit. Alles gleicht man mit dem großartigen Berlin und seinen unvergleichlichen Partys, den obercoolen Leuten, den angesagtesten Clubs und den kosmopolitischen Events ab.

Kind, Hof, Hund, Feld, Huhn, Haus, Dach, Bushaltestelle sind die langweiligen Themen der Provinzler, über die sie sich nach langem höflichen Schweigen zu erzählen haben. Dann noch etwas Klatsch und Tratsch und schon hat man die ganze Palette der Unterhaltung gestreift. Zuviel Zerstreuung lenkt auch von dem Wust an Arbeit ab, den man noch neben dem Job, wenn man einen hat, hat.

Wir können mit diesen Lebensentwürfen wenig bis gar nichts anfangen. Schräger Humor über gesellschaftspolitische Probleme kommt bei der versammelten Dorfgemeinschaft gar nicht an. Sie verstehen uns nicht, wir verstehen sie nicht.

Die Borniertheit der Städter äußert sich im sinnlosen Prahlen von den lots of opportunitys, obwohl man in Berlin das gleiche spießige Leben führt, wie die Freunde vom Lande. Aber wenn man wollte, könnte man eben. Trotzdem hat man sich echt wenig zu sagen, was eigentlich schade ist, kann man doch voneinander, wie überall, lernen.

Eine Fahrt aufs Land ist wie eine Reise in die Kindheit. So geht es mir zumindest und darum auch wieder schön. Weniger Prahlerei, mehr Entschleunigung und dann klappt es auch mit den Gesprächen zwischen Stadt und Land.

Wohin mit den Geschenken?

Da schreibt man auf der Einladung: Getränke statt Geschenke. Und kaum jemand hält sich dran. Jeder Zweite bringt doch noch was mit. Vorsichtshalber hab ich dann doch einen Geschenketisch hingestellt, ich ahnte schon, dass da doch noch was kommt.

Was mache ich bloß mit dem vielen hochwertigen Suff zum Beispiel? Da kann ich ja locker bis ins Grab saufen. Gut, Alkohol wird nicht schlecht und als Mitbringsel für die nächsten 100 Feten ist es ja auch ganz praktisch.

Aber wer hat den Leuten geflüstert, ich stehe auf Grünpflanzen? Meine Wohnkapazitäten sind begrenzt, der Balkon ist endlich und dann die ganze Bagage auch noch durch den Winter bringen. Das erwartet man ja so von einem. Ich bin ja kein Pflanzenmörder.

So und dann gibt es noch Bücher…Brauch man auch viel Zeit demnächst. Muss man seinen ganzen Tagesablauf umstellen. Nur weil man Geburtstag hatte und auch noch feierte. Also dieser Aufwand hat sich ja gelohnt.

Natürlich ist es schön, mal für alle, die man mag, zu kochen und ein Gastgeber zu sein. Aber jede Woche könnte ich das auch nicht. Dann doch lieber wegfahren und sich es gut gehen lassen.

Vielleicht denken noch ein paar Gäste an die schönen und feucht-fröhlichen Stunden der Feier zurück. So richtige Eklats gab es ja nicht. Aber war schon nett.

Heute noch aufräumen und putzen und sich schwören, es nicht so schnell wieder zu machen. Dann brauch ich noch ne Sackkarre für den Abtransport der Geschenke. Und ich hatte mir gedacht, dass ich es mir schenken kann….

Mein 40ter vor zehn Jahren und das Mobbing eines Sternekochs

An dem Geburtstag meiner besten Freundin traf ich ihn wieder, einen gemeinsamen Freund, der mir eigentlich nicht besonders nahe stand. Trotzdem verabredeten wir eine Spritztour nach Warnemünde. Ich hatte zwei Tage später Geburtstag und hatte für meinen 40ten noch nichts vor. Da schien mir der Vorschlag, mit Micha an die Ostsee zu fahren, total schlüssig und praktikabel. Endlich hatte ich für meinen beschissenen Geburtstag einen Plan.

Die Tour war ok. Wir feierten mit Rostocker Kümmel in den Ehrentag hinein und gaben uns in diversen Warnemünder Kneipen die Kante. Den folgenden Tag verlebten in der Sauna und bei Spaziergängen. Summasumarum war es bis dahin ein zünftiger Geburtstag. Das sollte aber noch anders werden.

Abends mussten wir wieder in Berlin aufklatschen, da ich im The Regent Hotel im Grunewald Nachtschicht hatte. Mein damaliger Küchenchef, der einzige Zwei- Sterne- Koch von Berlin, Christian Lohse „gratulierte“ mir mit ganz beleidigenden und respektlosen Bemerkungen („für Dich und für jeden hier stehen mindestens 40 Köche bereit und lecken sich alle 10 Finger, hier arbeiten zu können“), dass ich mit 40 nicht mehr in den Laden gehöre und sowieso nicht ins Team passe usw.

Dieser Koch, der eigentlich richtig gut kochen kann und von dem ich rein fachmännisch viel gelernt habe, war menschlich so daneben, dass ständig er seinen neoliberalen und sozialdarwinistischen Unfug den Jungköchen als Lebensweisheiten auf dem Weg geben wollte. Er versuchte den Köchen einzubläuen, dass Rücksicht und Solidarität was für linke Spinner ist und nicht ins wirkliche Leben gehört. Weil er eine Russin geheiratet hatte, fühlte er sich auch noch als Experte zum Thema Ost/West und wollte mir und den hörigen Jungköchen die Mentalität der Ossis erklären und wie sie sich doch unterordnen müssen und doch endlich vom Westen mit seinem Leistungsdruck und seiner Kälte begeistert sein sollen und sich dankbar zeigen sollten.

Ich befand mich gerade in der von ihm angezettelten Mobbingphase, in der einige der speichelleckenden Köche involviert waren und das schon seit einigen Wochen lief. Er wollte mich, wie schon erfolgreich bei anderen altgedienten Kolleginnen vorher, unbedingt raus haben, da ich ihm zu alt für diesen Job war. Seine Säuberungsaktionen waren gründlich. Ich war der letzte der alten Riege. Regis und einige andere von ihm angeheuerten Vasallen versuchten das Mögliche, mich mürbe zu machen. Mobbing der allerfeinsten Sorte.

Lohses pseudo-philosophischen Auslassungen waren so widerlich und ekelerregend, so diskriminierend und asozial, wie ich sie bei Besserwessis oft erlebt hatte. Dass er auch andere Mitarbeiter*innen, die ihm nicht hörig genug waren, in aller Öffentlichkeit fertig gemacht und sie vor anderen vorgeführt hatte, war aus meiner Sicht seine perfide Methode, um sein Regime aus Angst und Folgsamkeit zu festigen.

Ein persönliches Gespräch mit ihm bewirkte keine Verbesserung meiner Lage. Die Beschwerde bei der Personalabteilung konnte die von Lohse gewünschte Entlassung nur etwas hinauszögern. Er stellte mich vor versammelter Mannschaft zur Rede, wie ich es wagen konnte, hinter seinem Rücken mich über ihn zu beschweren. Die Eskalation und meine Konter überraschten ihn und beruhigten zunächst meine Situation. Bis er mir ein Angebot machte. Er wollte mich abfinden.

Wer einmal in diese Rolle gekommen ist, weiß, wie kleinteilig und intensiv psychologisch Druck ausgeübt werden kann und wie schlecht man sich dabei permanent fühlt. Ich ging auf ein verbessertes Angebot ein.

Vielleicht muss man als Spitzenkoch so sein. Das extrem hierarchische Regime der Küchen in der Spitzengastronomie in diesem Lande ist ein Hort der offensivsten und aggressivsten Form der Ausbeutung von Lohnabhängigen, ein Refugium von Sadismus, Terror und vergifteter Atmosphäre, wo wieder neue Koch-Hyänen heran gezüchtet werden, die dann ihre perfiden Methoden an die nächste Generation weiter geben.

Jedenfalls ist Lohse für meine schlechte Laune am Ende meines 40. Geburtstages verantwortlich gewesen und als ich ihn mal bei Kerner sah, wurde mir gleich so richtig übel.

Komisch, dass ich mich immer noch daran so erinnere und ich auch gefühlsmäßig immer noch betroffen bin. Mobbing sollte man nicht verharmlosen, ist es doch vielerorts leider Alltagsrealität. Es gibt zu viele Lohses in diesem Land.

Stress

Die Musikanlage musste getestet werden, Getränke für den 50sten mussten gekauft werden, E-Mails beantworten, mit einem angemeldeten Kind in der Schule kochen, heute kommt Ware, eigentlich aufwendige süß-saure Eier geplant mit Kartoffeln (ich hasse Kartoffel schälen), Interviewanfrage vom Tagesspiegel, heute Abend Pflichtstammtisch, Wäsche abnehmen, Blumen gießen, Blog schreiben, Essenplan fürs Schiff schreiben, Bestellliste für den Geburtstag fertig machen…

…und dann kam alles ganz anders. Entspannter.

Kind zum kochen kam nicht. E-Mail in 2 min beantwortet. Anderes Essen gekocht, Nudelbuffet, ging ruck zuck. Interview hatte sich erledigt. Stammtisch abgesagt, zu viel Alkohol. Blieb noch Musikanlage, 1 Stunde, immerhin. Getränke 1/2 Stunde. Alles andere war easy. Habe Prioritäten anders gesetzt, vieles hatte sich im Vorfeld erledigt und meistens kommt es anders, als man denkt.

Entschleunigung ist zurecht ein Modewort, man muss es nur beherzigen.

Außerdem macht man sich Stress, weil man sich nicht selbst traut. Man hat Zweifel am richtigen Timing, obwohl man tausend Mal richtig lag. Ich misstraue zum Teil meinem eigenen Können. Trotz einem gewissen Pensum hatte ich heute genügend Pausen für mich und Zeit für Gespräche war auch da.

Am Ende war alles halb so wild. Für den nächsten Stresstag einfach entspannen und sich was zutrauen.