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Wir wissen nichts

Wir werden geboren, mit offenen Augen, neugierig, naiv,wach. Nach und nach lernen wir Dinge kennen, die wir nach Ansicht der Erwachsenden wissen sollten. Wir lernen sie einzuordnen, ohne zu wissen, ob sie wirklich wichtig sind. Die unbelastete Neugier wird mit unnützem Wissen zugemüllt.

Frühe Konditionierung auf Leistung und Wettbewerb bestimmen unsere Gedanken. Was wichtig und was unwichtig ist, wird uns von Anfang an eingepflanzt. Es war schon immer so, hören wir immer wieder. Das ist wichtig und gut für dich, auch.

Der freie Gedanke hat kaum eine Chance. Wir sind schon sehr früh in Ritualen verfangen. Wenn sich ein junges Pflänzchen des eigenen Willens dann doch mal rausbildet, wird es sofort von den Umständen und der schnöden Wirklichkeit platt gemacht.

Den Willen gebrochen, die Leistungskraft kanalisiert, in Normen gepresst, fristen wir unser fremdbestimmtes Leben, ohne wirklich zu begreifen. Keine Ahnung vom Universum in uns und um uns. Keine Ahnung vom wirklichen und wahrhaftigen Sinn.

Wenn wir Glück haben, kommen mit der Reife noch Bruchstücke der Erkenntnis angeschwemmt. Meistens ist es dann zu spät. Sie werden keine Chance bekommen, umgesetzt zu werden.

Wie schade, dass wir uns nicht die Zeit nehmen, nach Erkenntnis zu streben und das rechtzeitig. So werden wir sterben, im Glauben, es schon ok gemacht zu haben, aber insgeheim werden wir ahnen, zu blöd und kraftlos gewesen zu sein, um uns dieser Maschine, Gesellschaft genannt, entziehen zu können.

Die verflossenen Chancen werden sich ins Unterbewusstsein getackert haben, so dass immer ein Gefühl des Unzufriedensein bleibt. Mit Recht.

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Wie ein altes Auto

Um eine gewisse Distanz zu meinen körperlichen Verfall und den Beginn von Disfunktionen zu erreichen, vergleiche ich mich mit einem alten Auto.

Letztens war ich zur Durchsicht und es wurden keine großen Sachen entdeckt. Nach gefüllten 200 000 km, die bereits auf meinem Erinnerungstacho stehen, muss man sich jetzt öfter durchchecken lassen. Elektronik, Fahrgestell, Motor sind noch gut im Schuss, aber man muss aufmerksam bleiben.

Es gab nur klein Korrekturen, noch musste nichts ausgetauscht werden. Aber wie das so bei Autos ist, meistens kommt es ganz plötzlich und dann alles auf einem Mal. Also 300 000 km möchte ich doch schon schaffen. Noch wirke ich robust.

Aber irgendwann kommt man kaum aus der Werkstatt raus. Der Verschleiß ist halt nicht aufzuhalten. Ist ja fast natürlich. Man könnte jetzt über die versiegende Leistungskraft ja jammern, aber es nützt nichts. Irgendwann greift es uns alle.

Bei paar Funktionen, die vielleicht irgendwann ausfallen könnten oder nicht mehr volle Kraft erreichen, würde ich recht traurig sein. Viel Einfluss darauf, was zuerst kommt, hat man eh nicht. Also bleibt einen nur übrig, ganz entspannt dem Verfall zu beobachten und die zweite Lebenshälfte nicht unbedingt als Schlechtere zu begreifen, obwohl die Tage ohne Schmerzen merklich weniger werden.

Aber so ein altes Auto hat wenigstens Charakter.

Vergänglich

Die Ikonen meiner Jugendzeit sind uralt und hässlich, oder tot. Früher war ich über die Todesnachricht eines Prominenten noch irgendwie geschockt oder wenigstens überrascht. Heutzutage habe ich mich daran gewöhnt. All die Künstler, die um wahnsinnig viel Aufmerksamkeit gebuhlt haben, die diese dann oft genug mit Bedeutung verwechselt haben. Und dann bleibt nur noch ein kümmerlicher Nachruf am Ende der Tagesschau mit ein paar vergilbten Bildern.

Für uns Normalos bleibt nicht mal das. Der Drang und der Wille, was Unvergängliches und Bleibendes zu schaffen, ist ja vorhanden. Auch der Glaube daran ist präsent. Nur die Wirklichkeit sieht verdammt anders aus. Nichts wird bleiben. Das Neue wird immer das Alte verdrängen, das Tempo, dass das geschieht, verschärft sich sogar. Wir sind nur Sternenstaub und der kann von Glück reden, wenn er wenigstens eine Episode gewesen ist, über die Bruchteile von Sekunden nachgedacht wird.

Die eigenen Bedeutsamkeiten sind für Andere nichts. Und das schon zu Lebzeiten. Danach wird es nur noch schlimmer. Mit dieser Erkenntnis sind die bedeutenden Akzente, die man im Leben setzen will, nur Beschäftigungstherapie. Das ist gar nicht schlimm, mit der Erkenntnis könnte man ja gelassener agieren und müsste sich nicht immer so getrieben geben. Das würde den Rhythmus auch entschleunigen und wir könnten dem Lebensende entspannt entgegen sehen. Also ich könnte damit leben.