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Mutti-Bashing: Das. Letzte. Mal.

„Ein Supermarkt in Pankow an einem Mittwochvormittag im November. Ich brauch noch ein paar Zutaten fürs Mittagessen und für das Abendbrot. Spaghetti, frischen Knoblauch, Weintrauben, Joghurt pur, Salat, Hühnchenbrust. Viel Zeit habe ich nicht, da ich am Nachmittag noch einen Termin habe. Glücklicherweise ist es nicht voll, ich bin Nummer fünf in der Schlange. Alle anderen vor mir haben jeweils nur wenige Artikel aufs Band gelegt. Sollte also schnell erledigt sein.

Die Nähe zum Prenzlauer Berg macht sich hier inzwischen nicht mehr nur durch die Tatsache der geografischen Nähe bemerkbar, sondern auch am steigenden Vorkommen Klischee behafteter Muttis. Um die 30, immer wichtig, Strickrock-Über-Jeans, Jacke vom Designer (oder aus dem Second Hand oder aus der Altkleiderbox – genau kann man das nie sagen oder wissen), Brille mit buntem Gestell und – natürlich – Kinderwagen mit Kind. Xplory Buggy heißen diese Dinger, hab ich herausbekommen.“ …und so geht die Geschichte weiter

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Bier ist vegan!

Wenn das, was in der Überschrift so steht und ja stimmt,  so anerkannt wäre, würde man ja die Millionen Säufer, also Unterschicht,  in diesem imaginären Hype mitnehmen. Aber so ist es leider nicht.

Man lässt sie vegan saufen. Beim Essen meint man es dann doch etwas abgrenzender. Denn der Veganismus hat die Hedonisten vom Prenzlauer Berg, von Mitte und von dort, wo man es sich leisten kann, erreicht. Jetzt ziehen sie durch die Lande und verkünden ihre Besserwisserei, schwätzen von Nachhaltigkeit, Gesundheit, von gequälten Tieren und von einer Gesellschaft, die so verformt in ihrer für die Massen bestimmten Ausrichtung degeneriert kurz vor der Apokalypse steht.

Da sollten wenigstens einige Ausgesuchte die Chance haben, sich als die Obergurus des Gutmenschentums positionieren und retten zu können.

Mir nichts, dir nichts geht es mit dem Bunkermercedes in den Biomarkt, um so ein bisschen heile Welt vorzutäuschen und damit seinen Beitrag gegen das schlechte Gewissen, oder für den ökologischen Fußabdruck getan zu haben.

Genau das verkörpert die aufgeklärte Bildungsbürgertum-Elite, die Grün wählen, gegen Atomkraft sind, sich für Multikulti stark machen, johlend in reflektierten Kabarettshows die Abgründe dieser Gesellschaft goutieren, aber im Alltag ihre abgeschottete Eigentumswohnung vor Krach, alles Fremde, Schmutz der RTLII-Unterschicht, kreativen Clubs, ursprünglichen Kneipen und politischen Positionierungen auch mit anwaltlicher Hilfe durchzusetzen vermögen.

Und genau diese egomanische Elite missionieren jetzt ganz medial den Veganismus, als einzigen Ernährungsentwurf, der die Menschen besser und gesünder macht und damit die Welt, die Tiere und die Umwelt rettet. Sie verbreiten ihre pseudo-wissenschaftlichen Glaubensschriften so vehement, so militant, so dogmatisch und so geschäftstüchtig, dass man den Begriff vegan nur negativ besetzen kann.

Die abstoßende Methode der Indoktrination ist wahrscheinlich so gewählt worden, um die ungebildeten Massen sowieso von diesem Hype von vornherein auszuschließen. Das Geschäft wird mit der gehobenen Mittelklasse gemacht. das reicht zum Überleben. Wie eine aufgekärte Ernährung zu erfolgen hat, interessiert eben doch nur den auf Selbstverwirklichung und rücksichtsloser Individualisierung getriebenen Kosmos der hippen Mitte und aufstrebenen Hedonisten.

Wer da nicht mitkommt, und das sind Viele, bleibt ungebildet und fleischessend zurück. Denn es geht nicht um das positive Hineinwirken in die Gesellschaft, sondern um die Vertreibung von Langeweile, um das Ausfüllen von intelektuellen Leerstellen, um das extrovertierte und aufgestzte Gehabe der Reichen von besser sein und besser leben.

Vegan sein ist nur ein Puzzle in der Klavatur von Statussymbolen einer sich immer aggressiver abgrenzenden und völlig vor dem eigenen Absturz verängstigten Kaste von Versagern, Mitläufern und Opportunisten. Sie verkörpern den Werteverfall, die Verkommenheit der Gesellschaft, weil sie unsolidarisch ihren eigenen niedrigen Bedürfnissen nachhecheln und nicht merken, wie die Welt um ihnen herum zusammenbricht.

Vegan hat für sie diesen angenehmen Hauch von kitschiger und verlogener Sozialromantik, die sie auf ihren Dritte-Welt-Trips erlebt haben, immer mit dem Gefühl, etwas Besseres zu sein. Ihre ganze Mittelmäßigkeit, ihre dekadente Bequemlichkeit und ihr Unvermögen, sich ernsthaft und konsequent den Problemen dieser außerordentlich ungerechten Welt zu stellen, reflektiert sich in diesen weltverbesserischen Modeerscheinungen, in ihrem elitärem Duktus, über Geld sich von anderen Menschen abzuheben, sie welt- und alltagsfremd reglementieren und missionieren zu wollen.

Sie fragen nicht wirklich nach den Nöten der breiten Masse. Sie fordern den Veganismus. sie gestehen der Gesellschaft keine Transformation zu, sondern verteufeln jetzt und hier eine jahrtausendlange kulturelle Prägung.

Sie haben keine Antworten zu den Möglichkeiten und Machbarkeiten der Menschen außerhalb des elitären Kreises. Für sie sind es Verbrecher an Ethik und Moral gegenüber den Tieren. Militant und manipulativ setzen sie auf schlechtes Gewissen. Schon deshalb würde ich, abgesehen von rationalen und logischen Argumenten, die durchaus dafür sprechen, den Veganismus ablehnen. Unsozial, lustfeindlich, ideologisch, dogmatisch und elitär kommt die vegane Invasion daher, dass man Angst bekommt und wirklich nicht zu diesem oberflächlichem Kosmos dazu gehören will.

Kann man das nicht anders machen und nicht so widerlich abstoßend?

Mein Weg ist anders. Ich koche für 60 Kinder einer Grundschule, bio, meist vegetarisch, wegen der hohen Kosten für Fisch und Fleisch, und bemerke, dass ich vegane und vegetarische Kost gar nicht deklarieren muss. Sie wird einfach angenommen, als wäre sie ein Fleischgericht.

Ich missioniere nicht, vedamme nichts, sondern koche einfach mit den Zutaten, die ich mir aus meinem mageren Budget leisten kann, lecker und geschmackvoll.

Die Nachfrage nach Fleischgerichten kommt nicht vor, die Angebotspalette der vegetarischen und veganen Gerichte ist üppig und sicherlich ausreichend. Der Prozeß dauerte etwas, war aber letztendlich erfolgreich.

Ich habe keine Ernährungstabellen, keine wissenschaftlichen Studien und keine Rezepturen eines veganen Gurus, der die ganzen verpeilten Hausfrauen mit seinen schlauen Tips zudeckt und damit sich gesund stoßen kann.

Ich benutze den gesunden Menschenverstand und meinen Instinkt, versuche bodenständig mit den normalen Produkten unserer Region auszukommen. Damit treffe wahrscheinlich den Geschmack der meisten, sonst sehr anspruchsvollen Kinder.

Mich stört die aufgesetzte Attitüde um diesen Hype und das aufdringliche Einreden von kulturellen Irrwegen in der Ernährung, dass gemäß den ekligen Eiferer doch sofort zu beenden ist. Diese lustfeindliche und entsagende Welt zur Erleichterung des Gewissens der weißen mitteleuropäischen Gesellschaft ist nicht die Meine.

#Berlin: Blockwart und Kosmopolit

Ich komme gerade vom Balkan und bin noch überwältigt von den großartigen Eindrücken aus den verschiedenen Ländern. Eins ist ihnen allen gleich gewesen: die herzliche, unaufgeregte und ehrliche Gastfreundschaft gegenüber mir als Deutschen, insbesondere für einen, der aus Berlin kommt. Neben dem üblichen Smalltalk war echtes Interesse vorhanden und ich musste über diese Stadt berichten, die bei den Einheimischen der Balkanländer, aber vor allen Dingen bei den unzähligen Backpacker aus aller Welt einen so grandiosen Ruf genießt.

Da habe ich mir so meine Gedanken gemacht und mich gefragt, was dieser Popularität zu Grunde liegt und warum alle so von der deutschen Hauptstadt schwärmen. Vielleicht sind es die vielen Spätkaufs, wo man billiges Bier bekommt und das dann völlig ungehemmt in der Öffentlichkeit saufen kann. Sicher ist es die geniale und bunte Clubkultur, die in ihrer Vielfalt schon einmalig ist. Sind es am Ende die Menschen, die eine ausgeprägte Weltoffenheit und Toleranz ausstrahlen und die Stadt für Fremde zu einem unvergessenen Erlebnis werden lassen? Doch wer strahlt aus und wie machen die das?

Jedem nach seiner Facon, das hat schon der alte Fritz als Slogan zum multikulturellen Miteinander ausgegeben. Vielleicht ist es vielen Berlinern immer noch im Blut, diese Willkommenskultur zu zelebrieren und so viele Menschen auch außerhalb sogenannter imaginärer Normen zu akzeptieren und irgendwie gut zu finden. Es wäre so schön, wenn dieses friedvolle und integrative Treiben wirklich den Charakter dieser Stadt ausmachen würde. 

Nun ist ja Berlin nicht die Insel der Seligen, schon gar nicht abgekoppelt von Intoleranz, Diskriminierung, Rassismus, Ausgrenzung, Denunziation, sozialer Kontrolle, Provinzialität, Kleingeist, Prüderie, Homophobie und Spießertum. Sie findet hier statt, nicht immer in der öffentlichen Wahrnehmung, aber überall dort, wo Menschen um immer enger werdenden öffentlichen Räumen streiten, wo Fremdsein auf Alteingesessenheit stösst, wo Lärm Ruhe trifft, wo unterschiedliche Mentalitäten aufeinander prallen, wo andere Lebensentwürfe nicht ins Allgemeinbild passen.

Dann ist es mit der preußischen Toleranz ganz schnell vorbei. Mit Blockwart-Attitüde wird dann schon mal gehen alles gekämpft, was nicht ins selbstgebastelte Weltbild passt. Einstweilige Verfügungen, unterirdische Kampfschriften, Drohungen und haarsträubende Reglementierungen prägen dann den Alltag in Berliner Wohngebieten. Die Provinzialität und der verbohrte Kleingeist hat Einzug in die Metropole gefunden.

Und da sind sich Ost wie West sehr ähnlich. Schon in der DDR gab es diese soziale Kontrolle und das Verpetzen an die Ordnungsmacht. Denunzieren als Staatsreligion wurde von Vielen befolgt und war salonfähig. Die Abnormen und Randgruppen hatten schlechte Karten. Der Westen war da nicht viel anders. Die Zugezogenen im Prenzlauer Berg leben ihre mitgebrachte Intoleranz in der Vertreibung der Clubs und alles Lautem und nicht mehr Passendem heute noch aus.

Der Kampf gegen die Touristen im Friedrichshain und Kreuzberg ist dieser Stadt so unwürdig, so unglaublich erbärmlich. Fragt die unzähligen Menschen weltweit, die Berlin so schätzen und davon ausgehen, hier willkommen zu sein. Denn eine Stadt ist nur so gut, wie sie mit ihren Gästen umgeht, wie sie Randgruppen behandelt, wie relaxt sie die Verschiedenheit dieser Welt akzeptiert, toleriert und sich für sie begeistern kann.

 

Zivilcourage in der M10

Wir hatten ganz schön gebechert. Jedes Verantwortungsgefühl für sich selber und für Andere hatte sich im Rausch verflüchtigt. Wir waren laut und fühlten uns stark. Da war nur noch 3 Stationen mit der M10, der nächtlichen Partystraßenbahn im Prenzlauer Berg.

Wie immer um diese Zeit, war sie brechend voll, voller alkoholisierter Menschen und einigen wenigen ruhigen Fahrgästen am Rand. Zwei mit Kopftuch bedeckte Mädchen wurden plötzlich lautstark von einigen Prolls ganz fies sexistisch und rassistisch angemacht. „Islamistenhure“ war noch das Harmloseste, war uns zu Ohren kam. Kraft unserer Wassersuppe und auch in unserer eigenen Feierlaune gestört, mischten wir uns ein.

Mutig und unerschrocken schrien wir auf den Rassistenmob ein. So viel Mut hatten wir uns gar nicht mehr und schon gar nicht in diesem Zustand, zugetraut. Nach anfänglichen Zurückgepöppele der Nazis (wir nennen sie mal Nazis, da ihre Beschimpfungen genau dem Duktus der Nazis entsprach) kuschten sie plötzlich, wurden still und trollten sich in den hinteren Teil der Bahn.

Die Umstehenden waren auch alle sehr still geworden. Wir glaubten, die Situation meisterlich gerettet zu haben und glorifizierten noch schnell die Kraft der Zivilcourage.

Als mein Kumpel beim Aussteigen nochmal zurück zur Bahn schaute, bemerkte er einen riesen großen Rastamann, der während des Disputes hinter uns gestanden haben muss, als er sich eine Waffe gerade wieder in seine Hose steckte. Sofort waren wir ziemlich ernüchtert, ob der Waffe  des Rastermannes.

Unserem energischen und verbalen Eingreifen war der Rückzug der Nazis wahrscheinlich nicht geschuldet, allein der große Mann hinter uns hatte die eindeutigeren Argumente.

Ob wir uns auch weiterhin und dann noch im Suff bei solcher Art von Auseinandersetzungen einmischen werden, entscheidet wahrscheinlich die Tagesform. Vielleicht würden wir uns ganz aktiv sofort dann Hilfe von anderen Fahrgästen einfordern. Eventuell ist dann auch wieder ein Rastermann auf einer nächtlichen Fahrt mit der M10 dabei.

Intolerante Gutmenschen und die Alkis vom Helmi

Das Problem mit den Alkis auf dem Helmholzplatz poppt ja schon seit langem hoch. Hunderte Anwohner beschwerten sich beim Ordnungsamt oder gleich bei der Polizei, die darauf hin Kontrollen im Stundentakt durchführen.

Der Platz ist mehrheitlich ein Kinderspielplatz. Nur im Mittelteil gibt es ein Gebiet, was noch nicht umzäunt ist. Da stehen Tischtennisplatten und Bänke. Dort halten sich, übrigens schon seit Vorwendezeiten, Obdachlose und Alkoholiker auf. Zumindest sehen sie so aus, so dass Passanten geneigt sind, sie so kategorisieren zu müssen. Sie sind laut, dreckig und stören sich nicht an der Umwälzung, die dieses Gebiet durchgemacht hat.

Sie stören sich nicht an den hunderten Kinderwagen mit Kindergeschrei und ermahnenden Mütterstimmen. Immerhin waren sie zuerst da. Aber die Mütter stören sich an den Suffies. Warum auch immer.

Sie stören wahrscheinlich das ästhetische Auge in der sonst so homogenen Mütter-Vater-Kinder-Wunderwelt, die wie eine ansteckende Krankheit fast den ganzen Prenzlauer Berg übermannt hat. Sie können nicht verstehen, dass diese „Minderwertigen“ immer noch da sind, wo sie doch so gar nicht in  dieses Biotop passen.

Denn soweit geht es mit der aufgesetzten Tolerenz dann doch nicht. Man hat schon Tausende Mieter verjagt, hat mit einer reaktionären Provinzattitüde und einem unglaublichen Sozialrassismus dem Bezirk seinen Stempel aufgedrückt und trotzdem lassen sich die rudimentären Reste des alten Bezirkes einfach nicht vertreiben.

Mit Hilfe der Staatsmacht und Zwangsmaßnahmen könnte das nun am Helmi gelingen. „Erschießt doch das Gesocks, dann ist endlich Ruhe“ würde so mancher denken, aber so einfach geht es dann wohl doch nicht.

Da ist eine elitäre Mittelklasse rangezüchtet worden, die in Abgrenzungsritualen verharrt, die angstbesessen ihr heile Familie verteidigt und das untere Drittel verachtet. Die Kieze im Prenzlauer Berg sind zu Gate Communities ohne oder mit Zäunen verkommen. Buntheit ist reine Dekoration und uniform, diese Toleranz hat menschenverachtende Grenzen. man mauert sich ein, vertreibt aktiv alles Fremde und Störende, lässt die Kleinen in Privatschulen unter Ausschluss des wirklichen und urbanen Lebens zu Leistungsmaschinen heran züchten und denkt, mit ein bisschen Bio, Öko und Weltverständnis seinen Teil als Gutmensch vollbracht zu haben.

Wenn ich am Helmi vorbei gehe, freue ich mich immer beim Anblick der vermeintlich Störenden. Sie bewahren einen letzten Rest von Durchmischung und zeigen der hier ansässigen Mehrheit konsequent den Mittelfinger. Diese aufrechte Haltung im Strudel allgemeiner Verdrängung nötigt Respekt ab.

Der Kiez ohne Willy?

Wenn es dem Ende des Monats entgegen geht, wirds voll. Die Stammgäste versaufen den Lohn. Das Kommunikationszentrum im Kiez kommt auf Touren. Bei unbekanntem fränkischem Bier wird die Welt erklärt. Die verräucherte Halle ist das zu Hause vieler Alteingesessener und zunehmend einer Menge Touris und Studenten.

Das Bier ist unschlagbar billig, die Bedienung trinkt auch mal schon am Mittag einen mit. Es sieht so aus, dass Willy Bresch gerettet ist. Diese originale Spezies an einer Kneipe wird von den neuen Bewohner*innen des Viertels und darüber hinaus, angenommen. Noch 2008 sah das ganz anders aus .

In einem Artikel des Spiegel wurde weiteres Kneipensterben befürchtet. Aber der Chef von Willy konnte eine weitere Institution der Ostberliner Kneipenszene, das „Lohrentz-Eck“ , erwerben und es für die Nachwelt retten. Damit wird dem allgemeinem Trend der Verdrängung etwas entgegen gestellt. Und wie wichtig sind diese Welten aus der Vergangenheit.

Sie sind die rudimentären Reste der eigentlichen  Identifikation des Bezirkes. Die Bedienung strahlt den echten rauhen und doch herzlichen Berliner Charme aus, nie um einen kernigen Spruch verlegen. Die Einrichtung hat die Diktatur überlebt, es werden Karten gespielt und rücksichtslos laut diskutiert. Die neue Boheme haben schon davon Wind bekommen und sind auf Okkupationstour.

Aber die Alten stemmen sich standhaft gegen die Verdrängung. So wird die Politik und Nebeneinander der friedlichen Koexistenz zelebriert, wie sonst schon fast nirgends mehr. Ein Hoch für den Wirt Voigt, der den nötigen Instikt hat, diese bedeutenden Orte zu erhalten und das gastronomische Geschick, es vorwiegend unverändert zu tun. Vielen Dank dafür!

Weggehen in Berlin

Eines der wahrscheinlich letzten richtig warmen Sommertage/nächte mit viel Action, Festen an allen Ecken, Demos und einfach draußen sitzen war der 24. August. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hingehen soll. Und wer nicht feiert, hat verloren.

Also Prioritäten setzen und sich schweren Herzens von Partyplänen trennen, war angesagt, man kann sich ja nicht teilen. Opfer der Streichaktion war unter anderen Suppe&Mucke, obwohl ich das immer jedes Jahr so richtig geil fand.

Dafür hatten wir uns im Kiez rumgetrieben. Zunächst ein höchst wichtiger Kiezspaziergang im Thälmannpark mit allerlei Prominenz…und damit war die ehrenamtliche Tätigkeit für den Tag getan. Leider war keine Zeit mehr für eine Teilnahme an der Demo gegen die Nazis in Hellersdorf.

Auf in den Mauerpark: da veranstaltete ein ehemals verdrängter Club ein kleines Gratis-Rockfestival. Mit Knorkator und so. War echt wild. Dann rüber übers Kastanienstraßenfest, ein bisschen Schicki-Micki, aber ansonsten wie Weihnachtsmarkt bei angenehmen Temperaturen.

Wladimir Kaminer veranstaltete im Cafe Burger seine Russendisko. Das war unser nächster Höhepunkt. Die fast schon militant wirkende russische Tanzmusik war zwar nicht ganz nach meinem Geschmack, aber das Ambiente im Burger war schon extravagant. Sah aus, wie ein Betriebsfest aus den Siebzigern im tiefsten Osten, mit einer explodierenden Stimmung. Beim Späti konnten wir ausruhen und abkühlen. Immerhin haben wir getanzt.

Eine Truppe Touris gestaltete dann das nächtliche Unterhaltungsprogramm auf der Torstraße. Ihre alkoholisierten Rituale waren doch sehr amüsant. Ich machte den Polnischen so gegen halb drei, bin ja auch nicht mehr der Jüngste.

Für die Anderen gab es noch genügend Möglichkeiten, die Nacht weiter fortzusetzen, was sie auch taten. Muss mal hören, was noch alles passierte. Wir wollen uns dann noch treffen, zum Frühstück, obwohl ich jetzt schon den zweiten Kaffee habe. Der Sonntag kann kommen, vielleicht grillen wir noch irgendwo.