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Brian Eno

Warum dieser Künstler mich verfolgt, weiß ich gar nicht. Vielleicht ist es ja am Ende die Musik. Und die Erinnerung an den Tag, als er mir das erste Mal begegnete. Heute wird er 65 Jahre alt , sagten die Leute von Radio Eins, und ich möchte ihm hiermit gratulieren und alles Gute wünschen, verbunden mit noch mehr Schaffenskraft.

Wir lagen sternförmig um eine einsame Kerze unter freien Himmel mitten in der Nacht und hörten Eno. Karsten sagte es jedenfalls. Psychedelic Music, passend zur Stimmung, die nach extatischem Feiern einer insgesamt 72 Stunden dauernden Fete auch mal im Arsch sein konnte. Niemand sprach, jeder folgte seinen Gedanken. Wir genossen ein Stück Losgelöstheit. Wir genossen unser Jungsein. 1984 in Neufahrland.

Karstens Eltern hatten ein weitläufiges Wassergrundstück, auf dem sich prima feiern ließ. Freundinnen kamen mit Zelten und Schlafmatten direkt vom Balaton dorthin, um zu tanzen und zu chillen. Mir waren bis dato diese Traveller-Attitüden fremd, ich war gerade als Spätchen auf Entdeckungsreise zu den Möglichkeiten der Jugend. Wir hopsten nackig auf den Kähnen herum, die auf dem Nedlitz-Paritzer Kanal den Müll der Westberliner abtransportierten. Dann brannte noch eine Scheune, nie wieder hab ich so ein Feuer gesehen. Und dann wurden Karsten auch noch die Fläppen (Führerschein) abgenommen, da wir im Schweinesuff mit seiner Karre noch Nachschub holen wollten und die Bullen, die wegen dem Brandes da waren, ignorierten. Sie ignorierten uns nicht. Karsten musste zum Bluttest und ich schob die 150ger Karre zurück, die ich aber erst mal abbockte. Es passierte noch einiges, Raum und Zeit lösten sich auf.

Die Fete ging Sonnabendnachmittag los und als ich Dienstag Mittag nach Hause kam, erkannte mich meine Mutter kaum. Ich hatte andere Klamotten an, war völlig übernächtigt, verkeimt, alkoholisiert, aber glücklich.

Das alles fällt mir bei Brian Eno ein. Jetzt stoße ich auf ihn an.

Wünsch Dir doch mal Tanzmusik

Der Titel entstammt eigentlich einer Radiosendung von Stimme der DDR. Den Zugang zu Sendungen des DDR-Rundfunks bekam ich erst bei der Armee, da Westradio hören, verboten war.

Rias und SFB 2 waren die gängigen Sender meiner Jugendzeit, die ich zuvor auf meinem großen alten Radiogerät verfolgte. Burkard Rausch, Barry Graves, Uwe Wohlmacher, Jürgen Jürgens, Rick de Lyle, Lord Knut, Andreas Dorfmann und viele Andere waren meine Rundfunkstars. Wenn bei Rias die Schlager der Woche lief, konnte man sicher sein, dass am nächsten Abend in der Diskothek Spartakus in Potsdam die Hits in der gleichen Reihenfolge gespielt wurden. Ganze Programmabfolgen der Westsender haben sich bis heute in meinem Gehirn festgesetzt.

Und die Musik…Wir waren durch die ausgezeichneten Empfangsmöglichkeiten der Anstalten aus Westberlin immer auf dem neuesten Stand. Die Radio DJs spielten die Titel auch immer aus, damit wir im Osten mitschneiden konnten.

Meinen ersten Zugang zur populären Musik bekam ich durch meinem damaligen besten Freund Karsten, der viel Independend Musik  hörte und mich dafür begeisterte. Diese bedeutsame Prägung hält bis heute an. Wir hörten bis in den frühen Morgen so abgefahrene Musik, die immer schön auf Kassette von seinem damals für Ostverhältnisse innovativen Doppeldeckrekorder abgespielt wurde. Je mehr wir tranken, um so schriller wurde die Mukke. Am Ende gab es nur noch Anfänge und besondere Stellen der Titel.

Viele dieser extravaganten Gruppen und Künstler habe ich vergessen, geblieben ist ein Hörverständnis und ein individueller Musikgeschmack, der mit nachkommenden Produktionen korrespondierte.

Übrigens gibt es noch Rundfunksender, die sich vom Pop-Einheitsbrei der meisten Anstalten abheben und durchaus vernünftige Musik, abseits vom Mainstream, spielen. Aus Westberlin sind alle innovativen Musikprogramme leider verschwunden.  Für die Befriedigung meines Musikgeschmackes muss ich nun einen Sender aus meiner Heimatstadt hören, Radio Eins aus Potsdam.