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FC Bayern in Berlin

Am Wochenende ist es mal wieder soweit. Der FC Bayern München steht im Pokalfinale und macht Station in Berlin.

In früheren Jahren hat dann der Tross im Schloßhotel im Grunewald logiert. Die Edelherberge war, als ich dort die Fußballer erlebte , in den Händen der US-amerikanischen Hotelgruppe Ritz-Carlton. Ich hatte Nachtdienst, nachdem die Bayern den DFB-Pokal geholt hatten und musste ihre Feierorgien miterleben.

Der diensthabende Roomservice-Kellner kam alle Nase lang mit neuen Bestellungen und absurdesten Stories aus den Suiten der Bayern in die Küche.

Nachdem ein bekannter Westberliner Juvellier den meist verheirateten Fußballern käufliche Mädchen bestellt hatte, sollte es so richtig abgehen. Die Spermaflecken bekam die Abwaschmaschine kaum aus den Champagnergläsern rausgespült.

Ein gewisser Mario B. zog sich einen Overall der Putzkolonne an, um mit Carsten J. wie ein armer Irrer mit dem Sevicewagen über dem Marmor zu rasen. Die Spuren und Verkratzungen wurden dann, wie viele andere Schäden auch, der Geschäftsstelle in der Säbener Straße in Rechnung gestellt.

Die spätpubertären Schnösel sollten das feine Haus fast völlig auf den Kopf stellen, die Berichte der Putzis und des Services über irreparable Schäden häuften sich. Viele Menschen hatten einen großen Job zu machen, um das Hotel für Andere wieder bewohnbar zu machen.

Ich hatte keine Vorstellung davon, was eine Mischung aus Geld, Größenwahn, Pubertät, Dummheit, Arroganz, Können und Respektlosigkeit aus jungen Männern so macht. Wahrscheinlich sind es nicht nur Bayern, die so auftreten, auch andere Mannschaften haben intellektuelle Tiefflieger und bornierte Arschlöcher.

Welches Hotel am Samstag die Ehre des bayrischen Zerstörungswahn haben darf, war von mir bisher nicht auszumachen. Ich wünsche aber schon heute viel Spaß beim Aufräumen.

Wer (was) bin ich oder Titel (Thesen Temperamente)

Rein aus der Job-Perspektive haben sich so einige Titel zusammen gesammelt. Wenn man Titel als Position, Kategorie oder Einordnung versteht. Begonnen als Lehrling bei HO-Gaststätten Potsdam, Alleinkoch in der Cafehaus GmbH (man merkt, es war Wende) kamen in der strengen Hierarchie des Aufstieges als Koch noch einige auszufüllende Positionen dazu. Demi Chef de Partie, Chef de Partie, Chef de Tournand, Sous Chef, Chef de Cruisine sind die Wörter, die die normale Karriereleiter beschreiben. Eigentlich wollte ich was anderes schreiben. Was machen Titel aus einem, beschreiben sie wirklich eine Persönlichkeit? In meiner kleinen Karriere konnte ich mit Bocuse, Ducasse, Winkler, Müller, Uhrs und Lohse zusammen arbeiten. Und ich habe für The Cure, Mariah Carey, Celine Dion, Leonardo di Caprio, Sean Connery, Jeniffer Lopez, Tom Jones, Boris Becker, Gerhard Schröder, Vladimir Putin, Willi Daume, Jaques Chirac, Joschka Fischer, Mathias Platzeck, Manfred Stolpe und vielen Anderen gekocht. Das macht mich bis heute noch stolz. Man kann kaum mehr in diesen Beruf erreichen, natürlich kann man Sterne kochen, in Fernsehshows auftreten, aber dann hätte man sich richtig fertig machen müssen und täglich 14 Stunden am herd stehen müssen. Das war nicht mein Ding und so bin ich mit dem, was mir der Job gegeben hat, sehr zufrieden. Als Höhepunkt meiner Karriere sehe ich meine jetzige Tätigkeit an: Für Kinder in einer Schule kochen. Das ist die lohnenste Klientel und die sinnvollste Arbeit als Koch. Für Bonzen und Promis zu kochen, ist so sinnentleerend. Aber wie gesagt, zeitweilig fand ich es ja auch toll. Mich machen Titel nicht aus. meine Reputation beziehe ich aus den Kontakt mit Menschen und den Handlungen in von mir ausgesuchten Zusammenhängen.