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Bier ist vegan!

Wenn das, was in der Überschrift so steht und ja stimmt,  so anerkannt wäre, würde man ja die Millionen Säufer, also Unterschicht,  in diesem imaginären Hype mitnehmen. Aber so ist es leider nicht.

Man lässt sie vegan saufen. Beim Essen meint man es dann doch etwas abgrenzender. Denn der Veganismus hat die Hedonisten vom Prenzlauer Berg, von Mitte und von dort, wo man es sich leisten kann, erreicht. Jetzt ziehen sie durch die Lande und verkünden ihre Besserwisserei, schwätzen von Nachhaltigkeit, Gesundheit, von gequälten Tieren und von einer Gesellschaft, die so verformt in ihrer für die Massen bestimmten Ausrichtung degeneriert kurz vor der Apokalypse steht.

Da sollten wenigstens einige Ausgesuchte die Chance haben, sich als die Obergurus des Gutmenschentums positionieren und retten zu können.

Mir nichts, dir nichts geht es mit dem Bunkermercedes in den Biomarkt, um so ein bisschen heile Welt vorzutäuschen und damit seinen Beitrag gegen das schlechte Gewissen, oder für den ökologischen Fußabdruck getan zu haben.

Genau das verkörpert die aufgeklärte Bildungsbürgertum-Elite, die Grün wählen, gegen Atomkraft sind, sich für Multikulti stark machen, johlend in reflektierten Kabarettshows die Abgründe dieser Gesellschaft goutieren, aber im Alltag ihre abgeschottete Eigentumswohnung vor Krach, alles Fremde, Schmutz der RTLII-Unterschicht, kreativen Clubs, ursprünglichen Kneipen und politischen Positionierungen auch mit anwaltlicher Hilfe durchzusetzen vermögen.

Und genau diese egomanische Elite missionieren jetzt ganz medial den Veganismus, als einzigen Ernährungsentwurf, der die Menschen besser und gesünder macht und damit die Welt, die Tiere und die Umwelt rettet. Sie verbreiten ihre pseudo-wissenschaftlichen Glaubensschriften so vehement, so militant, so dogmatisch und so geschäftstüchtig, dass man den Begriff vegan nur negativ besetzen kann.

Die abstoßende Methode der Indoktrination ist wahrscheinlich so gewählt worden, um die ungebildeten Massen sowieso von diesem Hype von vornherein auszuschließen. Das Geschäft wird mit der gehobenen Mittelklasse gemacht. das reicht zum Überleben. Wie eine aufgekärte Ernährung zu erfolgen hat, interessiert eben doch nur den auf Selbstverwirklichung und rücksichtsloser Individualisierung getriebenen Kosmos der hippen Mitte und aufstrebenen Hedonisten.

Wer da nicht mitkommt, und das sind Viele, bleibt ungebildet und fleischessend zurück. Denn es geht nicht um das positive Hineinwirken in die Gesellschaft, sondern um die Vertreibung von Langeweile, um das Ausfüllen von intelektuellen Leerstellen, um das extrovertierte und aufgestzte Gehabe der Reichen von besser sein und besser leben.

Vegan sein ist nur ein Puzzle in der Klavatur von Statussymbolen einer sich immer aggressiver abgrenzenden und völlig vor dem eigenen Absturz verängstigten Kaste von Versagern, Mitläufern und Opportunisten. Sie verkörpern den Werteverfall, die Verkommenheit der Gesellschaft, weil sie unsolidarisch ihren eigenen niedrigen Bedürfnissen nachhecheln und nicht merken, wie die Welt um ihnen herum zusammenbricht.

Vegan hat für sie diesen angenehmen Hauch von kitschiger und verlogener Sozialromantik, die sie auf ihren Dritte-Welt-Trips erlebt haben, immer mit dem Gefühl, etwas Besseres zu sein. Ihre ganze Mittelmäßigkeit, ihre dekadente Bequemlichkeit und ihr Unvermögen, sich ernsthaft und konsequent den Problemen dieser außerordentlich ungerechten Welt zu stellen, reflektiert sich in diesen weltverbesserischen Modeerscheinungen, in ihrem elitärem Duktus, über Geld sich von anderen Menschen abzuheben, sie welt- und alltagsfremd reglementieren und missionieren zu wollen.

Sie fragen nicht wirklich nach den Nöten der breiten Masse. Sie fordern den Veganismus. sie gestehen der Gesellschaft keine Transformation zu, sondern verteufeln jetzt und hier eine jahrtausendlange kulturelle Prägung.

Sie haben keine Antworten zu den Möglichkeiten und Machbarkeiten der Menschen außerhalb des elitären Kreises. Für sie sind es Verbrecher an Ethik und Moral gegenüber den Tieren. Militant und manipulativ setzen sie auf schlechtes Gewissen. Schon deshalb würde ich, abgesehen von rationalen und logischen Argumenten, die durchaus dafür sprechen, den Veganismus ablehnen. Unsozial, lustfeindlich, ideologisch, dogmatisch und elitär kommt die vegane Invasion daher, dass man Angst bekommt und wirklich nicht zu diesem oberflächlichem Kosmos dazu gehören will.

Kann man das nicht anders machen und nicht so widerlich abstoßend?

Mein Weg ist anders. Ich koche für 60 Kinder einer Grundschule, bio, meist vegetarisch, wegen der hohen Kosten für Fisch und Fleisch, und bemerke, dass ich vegane und vegetarische Kost gar nicht deklarieren muss. Sie wird einfach angenommen, als wäre sie ein Fleischgericht.

Ich missioniere nicht, vedamme nichts, sondern koche einfach mit den Zutaten, die ich mir aus meinem mageren Budget leisten kann, lecker und geschmackvoll.

Die Nachfrage nach Fleischgerichten kommt nicht vor, die Angebotspalette der vegetarischen und veganen Gerichte ist üppig und sicherlich ausreichend. Der Prozeß dauerte etwas, war aber letztendlich erfolgreich.

Ich habe keine Ernährungstabellen, keine wissenschaftlichen Studien und keine Rezepturen eines veganen Gurus, der die ganzen verpeilten Hausfrauen mit seinen schlauen Tips zudeckt und damit sich gesund stoßen kann.

Ich benutze den gesunden Menschenverstand und meinen Instinkt, versuche bodenständig mit den normalen Produkten unserer Region auszukommen. Damit treffe wahrscheinlich den Geschmack der meisten, sonst sehr anspruchsvollen Kinder.

Mich stört die aufgesetzte Attitüde um diesen Hype und das aufdringliche Einreden von kulturellen Irrwegen in der Ernährung, dass gemäß den ekligen Eiferer doch sofort zu beenden ist. Diese lustfeindliche und entsagende Welt zur Erleichterung des Gewissens der weißen mitteleuropäischen Gesellschaft ist nicht die Meine.

Fahrkartenkontrolle auf uruguayisch

Wir hatten kaum Bargeld. Die Auftritte, die mein Bruder hier in Argentinien als Puppenspieler absolvierte, waren dünn gesät. Also buchten wir mit Kreditkarte einen Tagesausflug all inclusive nach Montevideo mit dem Schnellboot. Damit waren wir wenigstens einen Tag mehr versorgt, ohne an die Barreserven ran zu müssen.

Nach dem üppigen Mittag trollten wir uns an den Strand des Rio de la Plata und wollten das Bild von Montevideo mitnehmen, dass wir aus dem Erdkundelehrbuch kannten. Als wir zurück kamen, war die Reisegruppe weg.

Ohne Geld in Uruguay! Das Reiseunternehmen hatte ein Office in einem Shoppingcenter am Rande der Stadt. Mit der Linie 81 sollten wir dorthin kommen. Wir beschlossen, schwarz zu fahren, hatten aber die Rechnung ohne den Wirt bzw den Fahrkartenkontrolleur gemacht.

Der war unerbittlich und wollte uns raussetzen, mit Recht. Wir mussten aber die Reisegruppe erreichen, sonst fahren die ohne uns zurück nach Buenos Aires. Also sammelten die Buspassagiere für uns das Fahrgeld zusammen und übergaben es dem Kontrolleur.

Nun muss man sich vorstellen, dass wir reiche Europäer völlig selbstverständlich von Bürger*innen eines der ärmsten Länder Südamerikas das Fahrgeld geschenkt bekommen haben. Ich war vor Freude überwältigt, mir war es aber auch peinlich und ich schämte mich ein bisschen.

Wie wäre es, wenn ein uruguayischer Tourist in Berlin in die gleiche Lage gekommen wäre? Ich bin mir nicht sicher, ob er die gleichen Reaktionen erfahren hätte.

Wir jedenfalls sind wieder gut in Argentinien angekommen und haben uns gerne an die außergewöhnliche Gastfreundschaft in Montevideo erinnert.

Ins Wasser gefallen: The German Tanks in Wembley

In London soll das Wetter ja toll gewesen sein. Das Jahrhundert-Finale mit deutschen Truppen, äh Gruppen, auf englischem Boden hatte Kaiserwetter. Nur dahoim sollten die vielfach aufgebauten Publicviewing Areale in Schlamm und Modder versinken. Kein Mai-(Sommer-)Märchen mit fahnenschwenkenen Deutsch-Nationalen gab es im Land der Teutonen zu sehen, die das deutsche Fußballwunder gebührend feiern.  Nur Bilder aus verräucherten Kneipen, übervollen Pinten und leeren, verregneten Plätzen mit lallenden und gröhlenden Fans sollten von der Heimatfront auf die Insel schwappen.

Dass der vorbestrafte Bayern-Präsident Hoeness mit der Kanzlerin herzte, war ja noch zu verschmerzen, aber wo waren Vertreter*innen des britischen Königshauses, um ihre Verehrung dem geliebten Feind zu übermitteln, niemand da in Wembley beim Sieg einer deutschen Mannschaft im CL-Finale. Auch war das Feuerwerk ja eher dürftig. Kein Lametta in Rot/Weiss auf dem heiligen Rasen, da war ja mehr los in Amsterdam beim EL-Finale zwischen Chelsea und Benfica.

Bei aller Klasse im Spiel, jetzt wird wieder der eklige Beigeschmack der Unbesiegbarkeit der Deutschen die Sportartikel vollmüllen, die Überheblichkeit von Überlegenheit und Qualitätsanspruch der Deutschen gegenüber der Welt die Leitartikel bestimmen. Gerade die Bayern verkörpern die penetrante Arroganz, die bigotte Borniertheit und die elitäre Abgehobenheit, die den Deutschen mit Recht nachgesagt wird. So werden wir niemanden auf Augenhöhe treffen, um mit ihnen die Zukunft zu planen, von ihnen zu lernen und mit ihnen gemeinsam in Gleichberechtigung zu leben.

Dass genau diese Eigenschaften, die der europäische Champion von 2013 verkörpert, auch ganz viele in Deutschland ankotzt, gibt Hoffnung. Der Hassverein Bayern München mit seinem abstoßenden Habitus wird die Herzen reflektierter und solidarischer Menschen nie erreichen.