Schlagwort-Archive: Sommer

Immer gut? Immergut!

Die Festivalsaison ist eröffnet. Das große Sommerspektakel für verwöhnte europäische Jugendliche kann los gehen. Dixiklos, Schlamm, Berge von Müll, Bier ohne Ende, Mucke mit Bässe, dass dir die Ohren abfallen, bloß nicht waschen. Ein gelblich-oranger Schleier überdeckt so manche dörfliche Idylle. Diesem besonderen Flair kann ich mich nicht entziehen, endlich mal kein Luxus!

Das verpennte Neustrelitz weiß gar nicht, was ihm geschieht. Und es bekommt auch kaum was mit. Eine halbe Stunde Fußweg von der Innenstadt zum Festivalgelände und es liegen Welten dazwischen. Das piefige pommersche Provinznest ist meilenweit von den feierwütigen Massen entfernt, viele Einwohner wissen noch nicht mal, dass und noch weniger was da vor den Toren der Stadt passiert.

Ein kleines und feines Independent-Festival hat sich hier etabliert und reiht sich in die Schar der unzähligen und sehr spezialisierten Sommer-Events ein. Die Musik ist nicht immer mit dem glücklichsten Händchen ausgesucht, macht aber meistens trotzdem Spaß. Je fortgeschrittener die Nacht, um so besser wird die Mucke. Die echten Höhepunkte kamen erst nach Mitternacht.

Meine Höhepunkte waren Slut, eine echte Indie-Band…und vor allem: FSF-sprich Feine Sahne Fischfilet. Diese ausgesprochen politische Combo beeindrucken mit klaren Statements in Richtung dem so naziverseuchten Landstrichen Mecklenburg-Vorpommern. Sie, die von hier kommen, zeigen mit aufrichtigem Mut und eindeutiger Sprache klare Kante gegenüber allen Mitläufern und Salon-Gutmenschen. Gut, dass es sie hier gibt und dass Neustrelitz ein Ort ihres Auftretens war.

Das große Aufräumen dieses zivilisatorischen Müllhaufens nach dem Festival entzieht sich meiner Kenntnis, da ich schon sehr schnell endlich unter der Dusche stand und den Staub des norddeutschen Ackers abwaschen konnte. Und schon ist der Ausnahmezustand Festival Geschichte, aber Bestimmt mit Fortsetzung.

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Der tote Winkel von Rostock – Schullandheim Niex

Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche zu gestalten, ist zuweilen Schwerstarbeit. Wenn die Reise nach Niex bei Rostock geht, wird es zur Prüfung.

Das Objekt für den 14-tätigen Aufenthalt hatte schon bessere Zeiten erlebt. Davon zeugt die überdimensionale und Gott sei Dank nicht funktionierende Lautsprecheranlage der blauen Baracke. Wahrscheinlich wurden die jungen Pioniere oder gar die HJ zum Fahnenappell gedrillt. Lieblos und desinteressiert wird hier ein Gelände verwaltet, dass weder Sicherheits- noch mindesten Hygienestandarts erfüllt.

Die für die Selbstversorgung zur Verfügung gestellte Küche würde jede Prüfung des Gesundheitsamtes mit einer sofortigen Schließung beenden. Der einzige Schneebesen war so verdreckt, dass er gerade noch als Sondermüll durchgehen würde. Der Hausmeister hatte es mit dem Rücken, als er tiefe und gefährliche Kuhlen zuschütten sollte und den Rasen auf einem für Fußball vorgesehenen Platz mähen sollte. Im hohen Gras mit den Jugendlichen zu spielen, überfordert wohl jeden Betreuer, wenn man zusätzlich bedenkt, das auch behinderte Kinder bei der Fahrt dabei waren.

Die blaue Baracke strahlte noch nicht mal nostalgischen Charme aus, wir waren froh, dass es kaum regnete. Eine kontrollierte Sprengung wäre hier ein profanes Mittel, um Platz für Neues zu schaffen.

Nun liegt ja Niex bei Rostock, Busse fahren aber nur während der Schulzeit. Wir waren im Nichts in Niex, verraten und verkauft. Die attraktive Ostsee war nur mit einer logistischen und organisatorischen Meisterleistung und mit viel Glück zu erreichen. Aber mit der ständigen Fahrerei vergingen auch die Tage und unsere Teilnehmer waren hart im Nehmen.

Vielleicht waren es die Widrigkeiten, die nicht nur das Team, sondern auch die Gruppe zusammen schweißte und somit eine echte Integrationsreise ermöglichte. Vielleicht war es auch die Intention des Trägers IJGD, mit ein paar Hürden einen echten Teamgeist zu erzeugen. Ganz sicher bin ich mir bei der Grundphilosophie des Vereins noch nicht.

Wir haben es überstanden. Mit blau gefärbten Sauerkraut, Klettermatze, Hände als Klopapier, Beulen im Auto und Teamsitzungen am Lagerfeuer. Und es war Sommer. So richtig Sommer. „Stand by me“ an der Warnow, Volleyball bis zur Erschöpfung und der Ferienwahnsinn von Warnemünde. Den Kiddies hats gefallen. Gerne nochmal, aber woanders!

Der Junge mit der Bombe

Eines der heißesten Tage im Jahr verbringt man am besten an einem Brandenburger See im Schatten mit Literatur, Bier und viel Muse. Und wie ich so die ungezogenen Kleinen beobachte, die gerade ihre Eltern am Picknickkorb mit einer Wasserpistole beschießen, ahnte ich noch nicht den weiteren militärischen Verlauf der Sommeridylle.

Plötzlich tauchen zwei frühpupertierende Jungen auf. Der eine, recht drahtig, versuchte seinen Ball immer auf das Wasser zu knallen. Dabei schrie er mit einem Stimmbruch-Krächsen „Krieg“. Das erschreckte mich dann schon, war die Stimmung bis dahin doch recht friedlich geblieben. Er wollte halt Wellen schlagen.

Der Andere, ein Pummelchen, dass sich mit dem Ablegen des reichlich vorhandenen Babyspecks noch Zeit ließ, soufflierte die kriegerische Aktion. Als Steigerung musste jetzt „Atombombe“ simuliert werden. Aber so richtig bäumte sich das Wasser nicht auf. Obwohl der dünne Teenager schon recht kräftig wirkte, wollte sich das aufgewühlte Wasser nicht zu einem Atompilz formen lassen. Kriegerische Rhetorik in friedlichen Zeiten will gelernt sein.

Schließlich konnte man nach dem 100ten Klatschen auf dem Wasser sowas Ähnliches wie eine kleine Fontäne wahrnehmen. Übung sollte ja den Meister machen. Nach weiteren ungezählten Versuchen fing es plötzlich an zu grollen. Die Erde bebte, das Wasser wurde unruhig. Am Strand erstarrte alles, alle schauten auf den See. Auf einem Mal schoss eine eine riesige Fontäne in die Höhe, ich hörte noch „Atombombe“ und sah ein hellen unwirklichen Blitz.

…und dann fiel ich von der Bank. Die Stimmen wurden allmählich lauter, das Klatschen des Balls wieder wahrnehmbar. Ich war wohl eingenickt. Erst jetzt realisierte ich, dass ich überlebt hatte. Beim nächsten „Krieg“ aus der Kehle des Jungen war ich wieder voll da.

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer

Rudi Carrell – Wann wird’s mal wieder richtig Sommer 1975

„Na na na … la la la …

Wir brauchten früher keine große Reise.
Wie wurden braun auf Borkum und auf Sylt.
Doch heute sind die Braunen nur noch Weiße.
Denn hier wird man ja doch nur tiefgekühlt.

Ja früher gab’s noch Hitzefrei.
Das Freibad war schon auf im Mai.
Ich saß bis in die Nacht vor unserem Haus.
Da hatten wir noch Sonnenbrand
und Riesenquallen an dem Strand, und Eis
und jeder Schutzmann zog die Jacke aus.

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer –
ein Sommer wie er früher einmal war?
Ja mit Sonnenschein von Juni bis September
und nicht so naß und so sibirisch
wie im letzten Jahr.

Na na na … la la la …

Und was wir da für Hitzewellen hatten
Pulloverfabrikanten gingen ein.
Da gab es bis zu 40 Grad im Schatten
Wir mußten mit dem Wasser sparsam sein.

Die Sonne knallte ins Gesicht
da brauchte man die Sauna nicht.
Ein Schaf war damals froh wenn man es schor
Es war hier wie in Afrika
Wer durfte machte FKK
Doch heut, heut summen alle Mücken laut im Chor

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer –
ein Sommer wie er früher einmal war?
Ja mit Sonnenschein von Juni bis September
und nicht so naß und so sibirisch
wie in diesem Jahr.“

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