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Stress

Die Musikanlage musste getestet werden, Getränke für den 50sten mussten gekauft werden, E-Mails beantworten, mit einem angemeldeten Kind in der Schule kochen, heute kommt Ware, eigentlich aufwendige süß-saure Eier geplant mit Kartoffeln (ich hasse Kartoffel schälen), Interviewanfrage vom Tagesspiegel, heute Abend Pflichtstammtisch, Wäsche abnehmen, Blumen gießen, Blog schreiben, Essenplan fürs Schiff schreiben, Bestellliste für den Geburtstag fertig machen…

…und dann kam alles ganz anders. Entspannter.

Kind zum kochen kam nicht. E-Mail in 2 min beantwortet. Anderes Essen gekocht, Nudelbuffet, ging ruck zuck. Interview hatte sich erledigt. Stammtisch abgesagt, zu viel Alkohol. Blieb noch Musikanlage, 1 Stunde, immerhin. Getränke 1/2 Stunde. Alles andere war easy. Habe Prioritäten anders gesetzt, vieles hatte sich im Vorfeld erledigt und meistens kommt es anders, als man denkt.

Entschleunigung ist zurecht ein Modewort, man muss es nur beherzigen.

Außerdem macht man sich Stress, weil man sich nicht selbst traut. Man hat Zweifel am richtigen Timing, obwohl man tausend Mal richtig lag. Ich misstraue zum Teil meinem eigenen Können. Trotz einem gewissen Pensum hatte ich heute genügend Pausen für mich und Zeit für Gespräche war auch da.

Am Ende war alles halb so wild. Für den nächsten Stresstag einfach entspannen und sich was zutrauen.

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Hangover in Karl-Marx-Stadt oder Alkohol ist auch keine Lösung

Als ich mich heute mit meiner Kollegin so austauschte, kamen wir irgendwie auf unsere früheren Saufgeschichten zu sprechen. Da ist mir aufgefallen, dass die besagten Abenteuer aus übermäßigen Alkoholkonsum einen großen Raum in unseren Erinnerungen einnehmen. Die Geschichten aus den Abgründen unserer Jugendzeit begeistern nicht nur diverse Stammtischrunden, um auf Alkoholabstürzen noch anstoßen zu können, sondern sind bei Feten unverzichtbarer Bestandteil des Unterhaltungsprogrammes. Wir können uns fantastisch produzieren und manchmal kommen wir mit unseren Erzählungen in einen Rausch.

So auch bei mir. Da es in der DDR keine der üblichen Drogen gab, war die Flucht in Bier, Wein und Schnaps gängige Alltagsbewältigung. Die besten Geschichten und Abenteuer waren hochprozentig. Es gab kaum eine Betriebsfahrt ohne alkoholgetränkte Eklats. Auch der Betriebsausflug unserer Lehrlingsgruppe nach Karl-Marx-Stadt (dem heutigen Chemnitz) wurde Schauplatz eines dieser Suffstorys.

Wir logierten im Interhotel Kongress und ich war vom Lehrlingskollektiv endlich einigermaßen anerkannt. Diese neue Gruppenzugehörigkeit euphorisierte mich so, dass ich mir mit meinen Ausbildern so richtig die Kante gab. Dass ich alles durcheinander soff und mit meinen 19 Lenzen überhaupt nichts vertrug, wurde mir erst später klar. Mein Mitbewohner rollte mich im Laufe der Nacht mitsamt dem Bett auf den Hotelflur, da er den Gestank und die Geräusche nicht mehr aushielt. Die Vorführung des Frohnauer Hammers bei der Fortsetzung unserer Reise fand ohne mich statt. Der Bus musste einige Male stoppen, um nicht Opfer meiner inneren Gereiztheit zu werden. Nachdem ich an einem trockenen Brötchen nagte, beruhigte sich so langsam mein Magen. Doch das flaue und elende Gefühl blieb. Erst während des vorzüglichen Mittagessens auf dem Fichtelberg begann ich wieder Herr meiner Sinne und Körperfunktionen zu werden. Ich schwor mir: Nie wieder Alkohol.

Leider hielt ich mich nicht dran. Geschichten über blutige Knien nach einer Sauforgie am Heiligabend oder rotweingetränkte Verbalauswürfe in der Ringbahn sollten noch folgen. Jetzt habe ich die Abstürze schon lange im Griff (behaupten übrigens sehr viele Menschen von sich, die Realität sieht leider etwas anders aus), kann entspannt die alten Geschichten erzählen und trotzdem bei Willi (Bresch) einen schönen bierseeligen Abend verleben. Inwieweit es bei anderen Menschen, die ähnliche Geschichten auf Lager haben, in Richtung pathologische Disposition geht, kann ich nicht sagen. Ich bin aber überzeugt, dass nicht jeder am Ende so ungeschoren davon kommt, wie ich.