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Weggehen in Berlin

Eines der wahrscheinlich letzten richtig warmen Sommertage/nächte mit viel Action, Festen an allen Ecken, Demos und einfach draußen sitzen war der 24. August. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hingehen soll. Und wer nicht feiert, hat verloren.

Also Prioritäten setzen und sich schweren Herzens von Partyplänen trennen, war angesagt, man kann sich ja nicht teilen. Opfer der Streichaktion war unter anderen Suppe&Mucke, obwohl ich das immer jedes Jahr so richtig geil fand.

Dafür hatten wir uns im Kiez rumgetrieben. Zunächst ein höchst wichtiger Kiezspaziergang im Thälmannpark mit allerlei Prominenz…und damit war die ehrenamtliche Tätigkeit für den Tag getan. Leider war keine Zeit mehr für eine Teilnahme an der Demo gegen die Nazis in Hellersdorf.

Auf in den Mauerpark: da veranstaltete ein ehemals verdrängter Club ein kleines Gratis-Rockfestival. Mit Knorkator und so. War echt wild. Dann rüber übers Kastanienstraßenfest, ein bisschen Schicki-Micki, aber ansonsten wie Weihnachtsmarkt bei angenehmen Temperaturen.

Wladimir Kaminer veranstaltete im Cafe Burger seine Russendisko. Das war unser nächster Höhepunkt. Die fast schon militant wirkende russische Tanzmusik war zwar nicht ganz nach meinem Geschmack, aber das Ambiente im Burger war schon extravagant. Sah aus, wie ein Betriebsfest aus den Siebzigern im tiefsten Osten, mit einer explodierenden Stimmung. Beim Späti konnten wir ausruhen und abkühlen. Immerhin haben wir getanzt.

Eine Truppe Touris gestaltete dann das nächtliche Unterhaltungsprogramm auf der Torstraße. Ihre alkoholisierten Rituale waren doch sehr amüsant. Ich machte den Polnischen so gegen halb drei, bin ja auch nicht mehr der Jüngste.

Für die Anderen gab es noch genügend Möglichkeiten, die Nacht weiter fortzusetzen, was sie auch taten. Muss mal hören, was noch alles passierte. Wir wollen uns dann noch treffen, zum Frühstück, obwohl ich jetzt schon den zweiten Kaffee habe. Der Sonntag kann kommen, vielleicht grillen wir noch irgendwo.

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Älter werden mit Helmut

Ich sah, wie er ganz klein war, wie so ein Puppenhündchen, das manchmal auf den Ablagen von Autos steht und den Kopf unmotiviert wackelt. Wie er nach den ersten Händen, die ihn niedlich fanden, schnappte. Wie er, noch voll im Teeniealter, los ging, wie von einer Tarantel gestochen, auf andere und Hunden zeigen musste, wer hier der Chef ist. Auch bei Frauchen und Herrchen, so dass ein Hundetrainer eingeschaltet werden musste und sich sein Verhalten leicht verbesserte.

Die Unberechenbarkeit und plötzliche Aggressivität blieb. Der, der aussieht, wie ein Wuschelhund, fiel bei Gelegenheit und schlechter Laune auch mal nette Bekannte, die ihm über den Weg liefen, an und biss denen ins Bein.

Immerhin wohnte ich innerhalb einer WG drei Jahre mit ihm, nachdem er mich anfänglich auch mal an der Haustür stellte, von Herrchen zurück gehalten werden musste, damit er mich nicht anfiel, entwickelte sich unser Verhältnis mit distanzierter Freundlichkeit und Respekt. Mittlerweile freut er sich schon, wenn er mich sieht. Aber er ist auch älter und gelassener geworden, springt nicht mehr über jedes Stöckchen.

Überhaupt zeigt sein Älterwerden die ganze Vergänglichkeit des Lebens und macht mich an diesem Wochenende, wo ich mich um ihn kümmern muss, auch melancholisch. Helmut steht nicht mehr so im Mittelpunkt, er ist halt noch da. Fressen, pinkeln und kacken sind seine Hauptbeschäftigungen, natürlich noch rumliegen und schlafen. Vielleicht war schon immer so, aber das rumtoben, andere Hunde kennen lernen, austesten, seine Halter foppen und viele andere kleine Nettigkeiten fallen völlig weg. Eigentlich langweilig.

Wahrscheinlich geht es uns als älter werdenden Menschen ähnlich. Oder wir haben diese melancholische Zeit noch vor uns. Die Interessenlagen reduzieren sich, irgendwann wird man als lästiges Beiwerk des welken Lebens angesehen und dann weiß man, bald ist es Zeit für die letzte Reise. So wie bei Helmut, der sich schon darauf vorbereitet.

Ein Hühnerbein als Höhepunkt, einmal noch dem Herrchen entschwinden, mehr Spannung ist dann nicht. Auch für uns sind die Jahre ins Land gegangen und wir werden uns mit der erzwungenen Neujustierung unseres Seins auseinander setzten müssen. Wenn wir dann so richtig mit dem älter werden zu tun haben, wird Helmut schon lange nicht mehr sein.

Lehrstunde Bürgerverein

Da saß ich mit einem Freund bei zwei bunten Hunden im Kiez. Klaus und Peter sind schon seit dunklen DDR-Zeiten unterwegs, um sich unermüdlich um Bürgerengagement zu kümmern. Wir diskutierten die aktuelle Lage im Areal, hörten uns die Geschichten von damals an und waren besinnlich und heiter. Die ein oder andere Flasche Wein wurde gekillt, um am Ende Mitglied des Vereins Pro Kiez zu sein und das erste Mal eine Ahnung vom bürgerlichen Engagement zu bekommen.

Sie hatten die Bibliothek mit einer Dauerbesetzung vor der Vernichtung bewahrt. Sie führten sie weiter , ehrenamtlich. Es gibt eine Kultur AG, die Lesungen, Ausstellungen und weitere Kunst- und Kulturangebote bereit hält. Nachdem das Sanierungsgebiet Bötzowviertel auslief, fing man die Betroffenenvertretung auf und gründete die AG Bürgerbeteiligung. Eine neue Bürgerinitiative, die am Arnswalder Platz, hat unter dem Dach des Vereins ein neues Zuhause bekommen.

Das ist wahre Vernetzung und strategisch gedacht von Klaus. Eine echte Ikone der kommunalen Bewegung.

Peter, der so tolle Filmangebote hatte, der sie alle kannte, von Brecht bis Kurella, machte die Öffentlichkeitsarbeit. Er schaffte es, das die Stille Straße in die internationalen Schlagzeilen kam. Wir werden ihn wirklich sehr vermissen und sein Vermächtnis weiter tragen.

Der unermüdliche Klaus forderte uns auf, doch nach Umzug im Thälmannpark eine Ini zu gründen. Er hatte den richtigen Riecher und exakte Vorahnung. Er wirbelt immer noch so kräftig den Bezirk auf, während wir im Thälmannpark Akzente setzten. Wir haben viel von den beiden gelernt und es waren wundervolle Stunden im 4. Stock in der Greifswalder Straße.

Die grünen Lungen von Berlin

Wenn man, wie ich, mal wieder die Gelegenheit hat, durch Parks, wie dem Anton-Saefkow-Park, zu laufen, bemerkt man die Notwendigkeit von grünen Oasen in einer sonst ziemlich dicht besiedelten Stadt.

Ich habe das Gefühl, durchatmen zu können, meine Ohren bekommen eine kleine Kur und die Augen schauen auf Grün und das soll ja auch erholsam sein. Stressfaktoren, wie Lärm, Werbung, Verkehr und Hektik müssen pausieren und werden von einer Ruhe und Entspanntheit abgelöst. Der Lärm findet in der Ferne statt, man befindet sich plötzlich in einem Stadtdschungel. Wie wichtig diese Pausen sind, merke ich, wenn ich ausschließlich auf Beton gelaufen bin und urbanes Grau mein Gesichtsfeld bestimmen. Ich bin damit ein Teil der Hektik geworden und das schafft.

Durch die massive Verdichtung der Wohnquatiere vielerorts sind öffentliche Räume rar geworden. Die Flucht in grüne Areale ist zwangsläufig. Der Volkspark Friedrichshain ist großzügig und bietet vielen Menschen verschiedenartige Freizeitbeschäftigungen. In einem Einzugsgebiet von mehreren Hunderttausend Menschen gerät dieser Park an die Grenzen seiner Kapazität.

Der Thälmannpark soll Erholungsgebiet von eines der dichtesten Wohnquartiere Europas sein. Bewohnerinnen des Helmholtz-, Kollwitz- und des Winskiezes wollen hier dem Grau entfliehen.

Im hart umkämpften Mauerpark kommen zu den Anwohner*innen noch tausende Touristen dazu. Die Immobilienbranche würde alles zu bauen und versiegeln. Öffentliche Räume bringen ja kein Geld. So wird immer wieder versucht, mit Randbebauung in die Naturrefugien einzudringen.

Eine der wichtigsten Indikatoren für das Stadtklima, das Tempelhofer Feld, muss vor extremen Bauverlangen geschützt werden. Der Tiergarten soll umzäunt werden. Auf fast alle Grünflächen und Parks ist ein kommerzieller Zugriff von interessierter Seite gewünscht.

Diesen ist es nach Möglichkeit abzuwehren, da öffentliche Räume urbanes Leben erst möglich machen und die grünen Lungen Berlins elementarer Bestandteil von Lebens- und Wohnqualität in einer Großstadt sind.

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Frühlingsgefühle im Thälmannpark

Guten Morgen

Grauer Himmel. Die von meiner letzten Reise nach Ladakh besorgten buddhistischen Fähnchen flattern an meinem Balkon im noch nicht erwärmten Frühlingswind. Freier Blick über das Häusermeer des Prenzlauer Berges zum Fernsehturm. Die Neubepflanzung lässt wegen den zu niedrigen Temperaturen auf sich warten Noch sieht alles trostlos aus. Aber es hat Potenzial zum Grünen. Die brachiale Architektur des Prenzlauer Bogens stört das an sich recht friedliche Bild und setzt bei mir ungewollte Emotionen frei, die ich meistens mit mir selber abmachen muss. Wie kann man so das Auge verletzen, wie kann man so ignorant Interessen wahrnehmen, die von so vielen abgelehnt werden. macht es den Immobilienhaien eigentlich Spaß, Arschloch zu sein? Aber warum gleich wieder aufregen und sich den Morgen versauen. Das ist das nicht wert. Es wird wieder Orte geben und es wird Leute geben, die dir bei diesen Auslassungen folgen und die so manche Emotion teilen. Dafür sollte man sich die Kraft und Energie aufheben. Immerhin kommt mal ein Vögelchen auf meinen Balkon und die Welt sieht wieder freundlicher aus. Gleich muss ich los, für Kinder kochen und diese Aufgabe ist bis jetzt so spannend geblieben, dass solche Morgen durchaus mit guter Laune zu meistern sind.